Vermisst in Zeithain. Ein Kurzfilmprojekt der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
26.01.26
Über drei Millionen Rotarmisten starben während des Zweiten Weltkriegs als Kriegsgefangene im Deutschen Reich. Ihre sterblichen Überreste liegen bis heute in Massengräbern über ganz Deutschland verteilt – allein in Zeithain bei Riesa ruhen mindestens 30.000 von ihnen. Doch auch nach dem Ende des Krieges fanden viele dieser Männer keinen Frieden: In der Sowjetunion galten sie – seit der Zeit Stalins – als Verräter und Kollaborateure.
Das Stigma des „Verrats“ lastete schwer auf den Familien, die zu Hause auf Nachricht, Hoffnung oder Gewissheit warteten. Mütter, Ehefrauen, Geschwister und Kinder blieben ohne Antwort – die sowjetischen Geheimdienste hielten die Akten über Gefangenschaft und Tod streng unter Verschluss. Wer aus deutscher Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, wurde oft erneut inhaftiert – diesmal in den Lagern des Gulag-Systems.
Die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain sammelte mit Unterstützung der Bundesstiftung Aufarbeitung Interviews mit Angehörigen – heute meist Nachkommen der vierten oder fünften Generation. Sie erzählten über die Suche in Archiven, über das Wiederfinden verschollener Familienengschichten, das Weitergeben von Traumata sowie über die großen erinnerungspolitischen Linien in der Sowjetunion und Heute.
Fünf Kurzfilme sind entstanden, die Interviews, Zeichnungen und Collagen verbinden und die Geschichten der Angehörigen auf eindrucksvolle Weise sichtbar machen. Bewegende Familiengeschichten aus Kasachstan, der Ukraine, Russland und Italien, die alle nach Zeithain führen, ein kleines Dorf bei Riesa, das zum Symbol einer verdrängten Erinnerung geworden ist.
Die Kurzfilme sind sowohl auf der Website und dem YouTube-Kanal der Stiftung Sächsische Gedenkstätten als auch an einer neu eingerichteten Medienstation in der Ausstellung der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain zu sehen.
Kontakt
Nora Manukjan
Referentin Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain
Tel: 03525 510472
nora.manukjan@stsg.de

