Vor 81 Jahren – die polnische Kriegsgefangene Krystyna Nogaj wird in Zeithain erschossen
12.03.26
Mitte Oktober 1944 erreichten zwei Zugtransporte mit 1.400 verletzten und kranken Soldaten des Warschauer Aufstandes und dem medizinischen Personal der aufständischen Krankenhäuser das Kriegsgefangenenlager Zeithain. Sie wurden in Holzbaracken einquartiert und gründeten das Polnische Militärkrankenhaus Zeithain. Dank ihrer Behandlung gemäß der Genfer Konvention und des gewaltigen Engagements der Ärzte und vor allem der Krankenschwestern und dem Hilfspersonal erreichte das Krankenhaus in kurzer Zeit ein in anderen Lagerkrankenhäusern nicht anzutreffendes Pflege- und Hygieneniveau.
Trotz der besseren Lebensbedingungen und weniger Repression seitens der deutschen Bewacher war das Leben auch für die polnischen Gefangenen in Zeithain gefährlich. Eindrücklich zeigt dies das Schicksal der Sanitäterin Krystyna Nogaj, welches in zahlreichen polnischen Erinnerungsberichten erwähnt wird.
Krystyna Nogaj hatte während des Aufstands in einem Militärkrankenhaus in Warschau gearbeitet und war als medizinisches Personal nach Zeithain gekommen. Am 12. März 1945 wurde sie von einem deutschen Soldaten von einem Wachturm aus am Fenster der Baracke Nr. 18 erschossen. Angeblich sei das Fenster nicht ausreichend verdunkelt gewesen. Sie verstarb im Alter von nur 20 Jahren, während ihr Ehemann wenige Kilometer entfernt im Kriegsgefangenenlager Mühlberg untergebracht war. Für die polnischen Kriegsgefangenen war diese willkürliche Gewalt vonseiten der deutschen Bewacher ein Schock, der bleibenden Eindruck hinterließ.
Krystyna Nogaj blieb das einzige polnische Todesopfer direkter deutscher Gewalt im Lager. Trotz der geschaffenen Bedingungen misslang aber auch die Rettung von weiteren Angehörigen der Heimatarmee. Sie starben an den im Kampf erlittenen Verletzungen und zugezogenen Krankheiten. Die polnischen Kriegsgefangenen wurden in Einzelgräbern auf dem Lagerfriedhof für internierte italienische Soldaten auf einem gesonderten polnischen Gräberfeld bestattet. Auch Krystyna Nogaj wurde hier beerdigt. Die Beisetzungen fanden zeremoniell mit militärischen Ehren unter Mitwirkung des Lagerpriesters Albin Jakubczak statt.
Erst 2004 gelang es, die polnischen und serbischen Gräber ausfindig zu machen, nachdem sie ab 1945 dem Verfall preisgegeben worden waren. Nach der Exhumierung und Umbettung in ein Sammelgrab auf dem Soldatenfriedhof Neuburxdorf wurde dort am 30. Juli 2004 die Grabstelle mit den Namen der 44 in Zeithain verstorbenen polnischen Kriegsgefangenen, darunter der von Krystyna Nogaj, feierlich eingeweiht.
Es existieren keinerlei bauliche Überreste, die speziell der Gruppe der polnischen Kriegsgefangenen zuzuordnen sind und auch die sowjetische Nachkriegsarchitektur verweist nicht auf ihre Anwesenheit im Kriegsgefangenenlager Zeithain. Umso wichtiger wird es in den nächsten Jahren sein das Schicksal der polnischen Kriegsgefangenen immer wieder in anderer Form sichtbar zu machen. Ein aktueller Schritt dafür war ein Besuch des Gedenkstättenmitarbeiters Milan Spindler bei den Kolleginnen und Kollgen im Museum des Warschauer Aufstands diesen März, welcher auch Anstoß gegeben hat diese Meldung über Krystyna Nogaj zu verfassen.
Milan Spindler (Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pädagogik)
Tel.: 03525 510472
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