Gedenkfeier zum 81. Jahrestag der Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Zeithain
Datum:
Veranstalter:
Gedenkstätte Ehrenhain ZeithainOrt:
Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain, Zum Ehrenhain 1, 01619 Zeithain
Am 23. April 1945 wurde das Kriegsgefangenenlager Zeithain durch Einheiten der Roten Armee befreit. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten / Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain erinnert im Rahmen der Gedenkfeier an dieses historische Ereignis und die bis zu 30.000 Opfer unter den sowjetischen Kriegsgefangenen.
Zeithain wurde ab September 1943 auch für die italienischen Gefangenen zu einem Todeslager – „Campo di Morte“. In keinem anderen Kriegsgefangenenlager im Deutschen Reich sind mehr Italiener an den Folgen der Gefangenschaft verstorben. Polnische Gefangene kamen nach dem Ende des Warschauer Aufstands im Oktober 1944 in großer Zahl nach Zeithain. Britische, serbische und französische Gefangene hielten sich zeitweise auch in größer Zahl in Zeithain auf.
Mitveranstalter der Gedenkfeier sind der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Sachsen, die Gemeinde Zeithain und der Förderverein Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain. Die öffentliche Gedenkfeier findet am Donnerstag den 23. April 2026 beginnend um 15 Uhr in einem Festzelt auf dem Gelände der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain statt.
Schirmherr der Veranstaltung ist der Präsident des Sächsischen Landtages, Alexander Dierks, der auch ein Grußwort halten wird. Ihre Teilnahme zugesagt haben zudem diplomatische Vertreterinnen und Vertreter aus der Ukraine, Polen und Italien.
Musikalisch wird die Gedenkfeier vom Posaunenquintett der Elbland Philharmonie begleitet. Die evangelische Pfarrerin in Zeithain Jutta Gildehaus, Militärrabbiner Oleg Portnoy aus Leipzig sowie der katholische Pfarrer Klaus-Michael Tschöpe aus Riesa gestalten die Gedenkfeier ebenfalls mit.
In der Sowjetunion galten ehemalige Kriegsgefangene bis zu ihrer Auflösung als Verräter und Kollaborateure, weshalb die Familien über die Schicksale der in den Lagern der Wehrmacht verstorbenen Gefangenen nicht über die Sterbeorte, wo es möglich war, informiert wurden. Dieses Stigma belastete die Familien. Mütter, Ehefrauen, Geschwister und Kinder warteten jahrzehntelang auf Nachrichten, Gewissheit oder ein Lebenszeichen. Viele der Heimkehrer wurden nach ihrer Rückkehr erneut verhaftet und in Lager des Gulag-Systems deportiert.
Diesen individuellen Familiengeschichten ist der armenischstämmige Autor Aren Vanyan nachgegangen. Im Auftrag der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain führte er seit 2024 Interviews mit Nachkommen – meist aus der vierten und fünften Generation – aus Kasachstan, Russland, der Ukraine, Belarus, Armenien und Georgien. Sie berichten von jahrzehntelanger Ungewissheit, vom nicht endenden Warten, von vergeblichen Archivrecherchen – und von dem Glück, schließlich ein Grab des Angehörigen zu finden.
Zugleich sprechen sie darüber, welche Spuren diese unvollendeten Familiengeschichten bis heute hinterlassen haben – und wie Kriege, auch in der Gegenwart, das Leben von Opferfamilien über Generationen hinweg prägen. Aus den Interviews sind fünf Kurzfilme entstanden, einer davon wird im Rahmen der Gedenkfeier gezeigt. Sie sind aber auch in der Dauerausstellung sowie auf der Webseite der Gedenkstätte abrufbar.
Daran schließt sich ein Podiumsgespräch mit Angehörigen verstorbener sowjetischer Kriegsgefangener an, das von Corinna Jentzsch von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) moderiert wird. Die vier Podiumsteilnehmer gehören der Enkel- und Urenkelgeneration von Angehörigen an. Sie alle haben einen ganz persönlichen Bezug zu Zeithain und werden darüber und die Erinnerung in den Familien an die Jahrzehnte verschollen geglaubten Angehörigen berichten. Ihre Wurzeln liegen in der Ukraine, Russland, Georgien und Kasachstan. Sie alle leben heute in Deutschland.

