Feierliche Einweihung der Gedenkortes am ehemaligen NS-Militärgefängnis Brückenkopf in Torgau
20.05.26
Am 14. April 2026 eröffnete der Erinnerungsort Torgau feierlich einen neuen Gedenkort am ehemaligen NS-Militärgefängnis Brückenkopf in Torgau. Der Gedenkort erinnert an die Verfolgten der nationalsozialistischen Militärjustiz. Tausende Gefangene waren während des Zweiten Weltkrieges im Gefängnis am Brückenkopf inhaftiert; dort wurden auch Hinrichtungen vollstreckt. Der Festakt mit Kranzniederlegung fand auf dem neu gestalteten Gedenkbereich auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses statt.
Franziska Brech, Leiterin des Geschäftsbereichs Kultur und Tourismus im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, eröffnete die Veranstaltung. Sie betonte, dass mit der Eröffnung des Gedenkortes ein weiterer wichtiger Schritt für die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Militärjustiz erfolgt sei. Die Erinnerung an die Verfolgten sei nun am authentischen Ort möglich.
Weitere Grußworte sprachen Maria Bering, Stellvertretende Amtschefin bei dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, und Henrik Simon, Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Torgau. Maria Bering stellte die Aufarbeitung der Unrechtsjustiz nach dem Zweiten Weltkrieg in den Mittelpunkt: Während die Militärrichter unbestraft blieben, mussten ihre Opfer jahrzehntelang um die Anerkennung ihrer Verfolgung und um die Rehabilitierung kämpfen. Der neue Gedenkort sei ein wichtiger Beitrag dazu, dass dieser Opfergruppe gedacht werde. Auch Henrik Simon hob die Bedeutung des Ortes hervor: Der Gedenkort sei ein sichtbares Zeichen dafür, uns der Erinnerung zu stellen. Die Einrichtung des Gedenkortes verdeutliche dabei auch die gute Zusammenarbeit zwischen der Großen Kreisstadt Torgau und dem Erinnerungsort Torgau.
Unter den etwa einhundert Gästen waren auch Familienangehörige ehemaliger Häftlinge. Als einer von ihnen gab Klaus Dieter Spangenberg einen berührenden Einblick in das Schicksal seines Großonkels. Fritz Spangenberg wurde aufgrund seiner Homosexualität von den Nationalsozialisten verurteilt und war 1943 im Militärgefängnis Torgau-Brückenkopf inhaftiert.
Die Leiterin des Erinnerungsortes Torgau, Elisabeth Kohlhaas, gab anschließend einige Informationen zur Geschichte des NS-Militärgefängnisses. Die Inhaftierten litten unter Drill und Misshandlungen, hungerten und mussten Zwangsarbeit leisten. Zum Tode verurteilte Gefangene wurden direkt auf dem Gelände oder an anderen Orten hingerichtet; ihre genaue Zahl ist heute noch immer unbekannt. Heute laden Bänke zum Verweilen und zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes und den Verfolgten ein.
Der Gedenkort kann nach vorheriger Terminabsprache besucht werden.
Kontakt
Nina Görlich
Referentin für Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 03421 713468
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