Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Militärjustiz in Torgau und Ausstellungseröffnung #StolenMemory
28.01.26
Gestern gedachte der Erinnerungsort Torgau gemeinsam mit der Stadt Torgau der Verfolgten der NS-Militärjustiz. Torgau war im Zweiten Weltkrieg das Zentrum der nationalsozialistischen Militärjustiz und des militärischen Strafvollzugs. Die Gedenkveranstaltung fand am Memorial vor dem ehemals größten Militärgefängnis der Nationalsozialisten Fort Zinna in Torgau statt. Es sprachen die Leiterin des Erinnerungsortes Torgau, der Oberbürgermeister, die Enkelin eines in Torgau hingerichteten Wehrmachtoffiziers und Schülerinnen und Schüler des Johann-Walter-Gymnasiums.
Elisabeth Kohlhaas, Leiterin des Erinnerungsortes Torgau, wies in ihrer Rede auf die Bedeutung des Rechtsstaates für die freiheitliche Demokratie hin. Torgaus Oberbürgermeister Henrik Simon erinnerte an die vielen unterschiedlichen Opfergruppen des Nationalsozialismus, die es auch in Torgau gab.
„Wenn das Recht angegriffen wird,“ so Elisabeth Kohlhaas, „dann befindet sich eine Demokratie auf dem Weg in ein autokratisches, ein autoritäres Regime. Autokraten greifen zuerst das Recht an, es ist ihnen ein Dorn im Auge.“ Die Nationalsozialisten schufen in Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges eine eigene Wehrmachtjustiz. Sie diente fern jeder Rechtsstaatlichkeit einzig dazu, Soldaten zu bedingungslosem Gehorsam zu zwingen und Widerstand im gesamten besetzten Europa zu bekämpfen.
Unter den Gästen der Gedenkveranstaltung war Christine Gros – sie erinnerte mit bewegenden Worten an das Schicksal ihres Großvaters Josef Hieke. Er wurde als Offizier der Wehrmacht zum Tode verurteilt und am 27. Januar 1945, auf den Tag 81 Jahre vor dem gestrigen Gedenken, in Torgau hingerichtet.
Zum Abschluss sprachen Luis Albrecht, Jakob Höcke und Emily Reich, Schüler und Schülerin der 11. Jahrgangsstufe des Johann-Walter-Gymnasiums in Torgau. Sie betonten die Notwendigkeit von Mut und Haltung. „Jede und jeder von uns hat Verantwortung. Nicht für die Vergangenheit – aber für das, was wir aus ihr machen“, so ihre Worte.
Im Anschluss an die Gedenkstunde eröffnete der Erinnerungsort Torgau die Sonderausstellung #StolenMemory. Sie erzählt davon, wie letzte persönliche Gegenstände von Opfern der Shoah als einzige Erinnerung erst nach langer Suche an die Familien zurückgegeben werden konnten. Die Ausstellung steht bis zum 17. Februar 2026 auf dem Torgauer Marktplatz und ist jeden Tag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.
Kontakt
Klaus Geißler (Referent für Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit)
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