Erinnerung an den 75. Todestag von Herbert Belter
Datum:
Veranstalter:
Dokumentationsstelle DresdenOrt:
Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden, Bautzner Straße 112a, 01099 Dresden
Der Student Herbert Belter (*1929) wurde am 28. April 1951 in Moskau erschossen. Ein sowjetisches Militärtribunal hatte ihn im Januar 1951 im Untersuchungsgefängnis Dresden-Bautzner Straße zum Tode verurteilt. Ihm wurde zur Last gelegt, gemeinsam mit Kommilitonen vor den Volkskammerwahlen im Herbst 1950 kritische Flugblätter an der Universität Leipzig verteilt und dem West-Berliner Rundfunksender RIAS über die Stimmung unter den Studenten berichtet zu haben. 1994 rehabilitierte die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation Herbert Belter und alle Mitverurteilten des Prozesses als Opfer politischer Repressionen.
Zum 75. Jahrestag der Hinrichtung Herbert Belters erinnert die Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden am historischen Ort des Verfahrens vor dem Tribunal gemeinsam mit der Dokumentationsstelle Dresden und Angehörigen der Verurteilten an dieses Verbrechen.
Am 22.06.2026 um 10 Uhr findet eine nichtöffentliche Veranstaltung für Schülerinnen und Schüler im Saal der Gedenkstätte Bautzner Straße statt. Dieses Angebot wird von den Kindern politisch Verfolgter ausgerichtet. Vier Nachkommen von in den 1950er-Jahren durch ein sowjetisches Militärtribunal Verurteilten stehen für ein Podiumsgespräch bereit. Das Gespräch dient der Erinnerung an die Verfolgten, thematisiert die Folgen für die betroffenen Familien und schlägt einen Bogen in die Gegenwart. Moderiert von Lewin Ott, Volontär bei der Stiftung Sächsische Gedenkstätten.
Am Abend des 22.06.2026 ab 18 Uhr findet eine öffentliche dreiteilige Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte statt. Zunächst wird im Saal ein von Dr. Bert Pampel, Leiter der Dokumentationsstelle Dresden der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, moderiertes Zeitzeugengespräch mit Angehörigen und Nachkommen von Mitgliedern der Gruppe um Herbert Belter stattfinden. Im Anschluss werden Zeitzeugenberichte in einer musikalisch begleiteten Lesung im ehemaligen Haftkeller des sowjetischen Ministeriums für Staatssicherheit zu hören sein (Musik: Tobias Rietz und Annett Otto, Lesung: Heike Blümel und Uljana Sieber).
Der Lichthof dieses Haftkellers dient schon länger als Ort des Gedenkens an die Opfer politischer Gewalt. Symbolisch vertreten sind sie dort seit 2024 mit der Bronze DAS OPFER, die Wieland Förster gefertigt hat.
An diesem Abend wird das Gedenkbuch in Moskau Erschossener (mit Dresden-Bezug) erstmals gezeigt und steht dann gemeinsam mit der Plastik als Mahn- und Erinnerungszeichen. Uljana Sieber führt zu dessen Entstehung und zum Gedenkort ein. Die musikalische Begleitung übernehmen ebenfalls Tobias Rietz und Annett Otto an der Gitarre bzw. dem Akkordeon. Es besteht die Möglichkeit, Blumen abzulegen.
Ansprechpartnerin für die Abendveranstaltung ist seitens der Gedenkstätte Laura Schulze laura.schulze@denk-mal-dresden.de.
Presseanfragen zum historischen Hintergrund und den Zeitzeugen richten sich bitte an Dr. Bert Pampel bert.pampel@stsg.de.
Eine Kooperationsveranstaltung der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden und der Dokumentationsstelle Dresden der Stiftung Sächsische Gedenkstätten gemeinsam mit den Familienangehörigen politisch Verfolgter.
Ausführliche Informationen zum Schicksal Herbert Belters und seiner Mitverurteilten finden sich nachstehend und über die Website https://verurteiltundvergessen.de/biografie/herbert-belter
Der gebürtige Greifswalder Herbert Walter Belter begann im Oktober 1949 ein Studium an der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Aus Unzufriedenheit mit den politischen Zuständen in der DDR verteilte er gemeinsam mit Kommilitonen vor den Volkskammerwahlen im Herbst 1950 kritische Flugblätter. Außerdem berichtete er dem West-Berliner Rundfunksender RIAS über die Stimmung an der Leipziger Universität.
Die DDR-Volkspolizei wurde im Zuge einer Personenkontrolle von Herbert Belter am 5. Oktober 1950 auf die studentische Gruppe aufmerksam. Herbert Belter war ab dem 9. Oktober 1950 in Dresden im Untersuchungsgefängnis des sowjetischen Ministeriums für Staatssicherheit (heute Gedenkstätte Bautzner Straße) inhaftiert.
Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte ihn hier am 20. Januar 1951 zum Tode. Das drakonische Urteil wurde damit begründet, er habe – so der stalinistische Urteilstenor – zur Sammlung von Spionagenachrichten und zur „Verbreitung von antisowjetischer und antidemokratischer Literatur sowie von Flugblättern“ eine „konterrevolutionäre Gruppe“ gegründet. Mitverurteilte des Prozesses waren Otto Bachmann, Ehrhardt Becker, Peter Eberle, Rolf Grünberger, Werner Gumpel, Günter Herrmann, Siegfried Jenkner, Karl Miertschischk und Hans-Dieter Scharf. Herbert Belter wurde nach der Verurteilung über die Haftstationen Berlin-Lichtenberg und Brest nach Moskau gebracht. Das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR lehnte am 23. April 1951 sein Gnadengesuch ab. Am 28. April 1951 wurde Herbert Belter im Moskauer Gefängnis Butyrka durch Erschießung hingerichtet, sein Leichnam verbrannt. Die Asche wurde auf dem Moskauer Friedhof Donskoje anonym vergraben.
Kontakt:
Dr. Bert Pampel, Leiter der Dokumentationsstelle Dresden | Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Tel. 0351 4695548
bert.pampel@stsg.de
www.dokst.de

