Was auf dem Bautzener Kornmarkt geschah
27.10.26
VOR ALLER AUGEN. Wie das jüdische Leben aus Bautzen verschwand. – Am 9. November erinnert ein breites Bündnis, dem auch die Gedenkstätte Bautzen angehört, mit Lesungen und einer Installation an die Menschen, die während des Nationalsozialismus aus der Stadtgesellschaft ausgegrenzt und verfolgt wurden.
Am 10. November 1938 steht Max Jakob Nussenbaum auf dem Bautzener Kornmarkt und beobachtet, wie jüdische Menschen geschlagen und öffentlich gedemütigt werden. Als ihn jemand erkennt und „Da ist einer!“ ruft, richtet sich die Gewalt auch gegen ihn. Nussenbaum kann fliehen. Sein später aufgezeichneter Augenzeugenbericht wird am 9. November 2026 am selben Ort zu hören sein.
Anlässlich des Gedenkens an die Novemberpogrome von 1938 laden Bautzener Kultur- und Bildungseinrichtungen, Kirchen und zivilgesellschaftliche Initiativen zum gemeinsamen Erinnern ein. Im Mittelpunkt stehen sieben Menschen und ihre Lebenswege, die eng mit der Geschichte der Stadt verbunden sind.
„Die Geschichte der jüdischen Menschen in Bautzen lässt sich an vielen Orten der Stadt erzählen. Ihre Geschäfte lagen in der Reichenstraße oder am Wendischen Graben, ihre Kinder gingen hier zur Schule. Was ihnen geschah, war für ihre Nachbarn sichtbar. Wir wollen zeigen, wer diese Menschen waren und wie sie aus dem Leben der Stadt verdrängt wurden“, sagt Christian Schäfer, Sprecher des tvBUNT.
Sieben Geschichten auf dem Kornmarkt
Eine Installation aus Stühlen erinnert an frühere Bautzenerinnen und Bautzener. Jeder Stuhl trägt einen Bilderrahmen mit dem Namen eines Menschen, der einst hier lebte und heute fehlt.
Um 15.15 Uhr beginnt die Veranstaltung mit dem Aufbau eines Gedenkortes aus 113 Stühlen, die symbolisch für die jüdischen Menschen stehen, die einst Teil der Bautzener Stadtgesellschaft waren. Um 15.45 Uhr und 17.30 Uhr tragen Jugendliche Biografien vor, während der Musiker Max Loeb als Erzähler durch den Nachmittag führt und die Texte musikalisch begleitet.
Dazwischen folgt um 17 Uhr eine ökumenische Andacht. Das Museum Bautzen zeigt begleitend eine Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Bevölkerung der Stadt. Ein Tanzbeitrag und das gemeinsame Reinigen der Stolpersteine gehören ebenfalls zum Programm. Bereits am frühen Nachmittag ist in der Kinder- und Jugendbibliothek das Puppentheaterstück „Einer von euch sein“ für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene zu sehen.
Gegen das Vergessen – am Ort des Geschehens
Der Kornmarkt war während der Novemberpogrome 1938 Schauplatz öffentlicher Gewalt gegen jüdische Bautzenerinnen und Bautzener. Die Verfolgung geschah mitten in der Stadt, vor den Augen der Bevölkerung. Viele sahen zu.
Am 9. November wird der Kornmarkt zum Ort des öffentlichen Erinnerns.
Beginn ist um 15.15 Uhr. Das Programm dauert bis etwa 19 Uhr.
Ein Dazukommen ist jederzeit möglich.
Kontakt:
Susanne Hattig (Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit Gedenkstätte Bautzen)
Tel: 03591 530363
susanne.hattig@stsg.de

