Neuerscheinung: Zwischen Schuld und Unrechtsjustiz. Zur Praxis sowjetischer Militärtribunale in Deutschland 1945-1956
23.06.26
In der Schriftenreihe "Zeitfenster" der Stiftung ist als Band 14 der Band "Zwischen Schuld und Unrechtsjustiz. Zur Praxis sowjetischer Militärtribunale in Deutschland 1945-1956" erschienen. Er enthält im Wesentlichen die Beiträge eines von der Dokumentationsstelle Dresden in Kooperation mit der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam am 7. November 2024 veranstalteten Fachworkshops.
Der überwiegende Teil der durch sowjetische Militärtribunale (SMT) in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) und in der frühen DDR zwischen 1945 und 1955 verurteilten deutschen Zivilisten stand nicht wegen einer Beteiligung an NS-Verbrechen vor Gericht. Stattdessen wurden sie wegen politischer Delikte belangt: zum Beispiel wegen der Verbreitung antikommunistischer Flugschriften, wegen der Weitergabe von Stimmungsberichten aus der SBZ/DDR an westliche Medien und Organisationen oder wegen nachrichtendienstlicher Tätigkeit für westliche Geheimdienste. Unter den wegen Spionage Verurteilten befanden sich auch nicht wenige Frauen, die beispielsweise als Zivilangestellte in sowjetischen Dienststellen tätig gewesen waren. Zu den SMT-Verurteilten zählten jedoch auch Menschen, die während des Zweiten Weltkriegs schwere Schuld auf sich geladen hatten – etwa Angehörige von Polizeieinheiten in den besetzten sowjetischen Gebieten oder Beteiligte an Massenmorden in Konzentrations- und Kriegsgefangenenlagern. Eine eigene, bisher wenig beleuchtete Teilgruppe unter den Verurteilten bildeten sowjetische Staatsbürger, die wegen Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht, wegen militärischer oder krimineller Delikte sowie wegen antisowjetischer Äußerungen vor SMT standen.
In dem von Dr. Bert Pampel, Leiter der Dokumentationsstelle, herausgegebenen Band stellen Historiker und Historikerinnen sowie Politikwissenschaftler die Ergebnisse ihrer aktuellen Forschungen zu diesen und weiteren Aspekten der Thematik auf der Grundlage neu erschlossener Quellen vor. Letztere stammen zum Beispiel aus dem Archiv des Bundesnachrichtendienstes, dem Stasi-Unterlagen-Archiv, dem Staatsarchiv der Russischen Föderation sowie aus dem Archiv des Sicherheitsdienstes der Ukraine. So entsteht ein differenzierteres und präziseres Bild der sowjetischen Militärjustiz, das den bisherigen Forschungsstand wesentlich erweitert.
Kontakt
Dr. Bert Pampel, Leiter der Dokumentationsstelle Dresden | Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Tel. 0351 2788503-11
bert.pampel@stsg.de
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