Tschechische Delegation erinnert in Gedenkstätte Münchner Platz Dresden an tschechische Opfergruppe
16.03.26
Vertreter der Abteilung Kriegsgräber des Verteidigungsministeriums der Tschechischen Republik sowie der tschechischen Armee und des Tschechoslowakischen Legionärsverbands aus Liberec haben am 13. März 2026 die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden sowie Dresdner Friedhöfe besucht. Sie gedachten der tschechischen Opfer, die während des Nationalsozialismus wegen ihres Widerstandes gegen die deutsche Besatzungsherrschaft am Münchner Platz hingerichtet wurden. Im Mittelpunkt standen die früheren tschechoslowakischen Legionäre des Ersten Weltkriegs.
Die tschechische Delegation legte im früheren Hinrichtungshof des Landgerichts Dresden Kränze nieder und besuchte die Ausstellung der Gedenkstätte. Anschließend gedachten die Teilnehmenden auf dem Neuen Katholischen Friedhof und den Johannisfriedhof in Dresden der dort bestatteten Hinrichtungsopfer. Unter ihnen sind auch einige ehemalige tschechoslowakische Legionäre. Zu der Besuchergruppe gehörten Dr. Pavel Kugler und Pavel Filipek vom Verteidigungsministerium, Oberst Tomáš Gubáš und Oberstleutnant Kousalová vom Regionalen Militärkommando der Armee der Tschechischen Republik in Liberec sowie Dr. Michal Rak von der Tschechoslowakischen Legionärsgemeinschaft (ČSOL). Als Vertreterin der Stadt Dresden war Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch gekommen. Initiiert hatte die Veranstaltung das tschechische Generalkonsultat in Dresden.
Die Leiterin der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden, Dr. Birgit Sack, verwies darauf, dass bereits im Vorjahr eine Gedenkveranstaltung mit Vertreterinnen und Vertretern der Tschechoslowakischen Legionärsgemeinschaft stattgefunden hatte. An die Vertreter aus dem Verteidigungsministerium gewandt sagte sie: „Unser gemeinsames Anliegen ist es, zusammen mit den zuständigen deutschen Stellen, die Gräber tschechischer Hinrichtungsopfer auf Dresdner Friedhöfen sichtbarer zu machen. Der heutige Tag ist der Beginn unserer engeren Zusammenarbeit auf diesem Gebiet, das mir auch persönlich ein besonderes Anliegen ist.“ Das tschechische Verteidigungsministerium will die Kennzeichnung von Gräbern tschechischer Opfer von Krieg und Gewalt auf Dresdner Friedhöfen finanziell unterstützen. Die tschechische Generalkonsulin, Dr. Ivona Valhová, betonte, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der Geschichte sei: „Auch heute sind Rechtsstaatlichkeit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit.“
Birgit Sack erhält Erinnerungsmedaille
Für ihren Beitrag zur Erhaltung von Gräbern hingerichteter tschechischer Widerstandskämpfer erhielt Gedenkstättenleiterin Birgit Sack von Pavel Kugler, dem stellvertretenden Direktor der Abteilung für Kriegsveteranen und Kriegsgräber des tschechischen Verteidigungsministeriums, die Erinnerungsplakette „Pflege der Kriegsgräber“ des Ministeriums verliehen. Mit dieser Auszeichnung würdigt das tschechische Verteidigungsministerium ihr besonderes Engagement für die Bewahrung und Pflege von Gräbern von Opfern von Kriegen und staatlicher Gewalt.
Die tschechoslowakischen Legionen (Československé legie) waren Freiwilligenverbände aus Tschechen und Slowaken im Ersten Weltkrieg. Viele ihrer Soldaten hatten zunächst in der Armee Österreich-Ungarns gekämpft, gerieten in Kriegsgefangenschaft und schlossen sich anschließend den Armeen Frankreichs, Italiens, Serbiens oder Russlands im Kampf gegen Österreich-Ungarn und das Deutsche Reich an. Insgesamt umfassten die Legionen rund 90.000 Mann. Ihr Ziel war die Gründung eines eigenständigen tschechoslowakischen Staates. Nach 1918 bildeten sie den Kern der neuen tschechoslowakischen Armee. Auch im Zweiten Weltkrieg beteiligten sich viele ehemalige Legionäre am Widerstand gegen die deutsche Besatzung.
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Volker Strähle (Referent Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit)
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