Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2026 in der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
28.01.26
Am 27. Januar 2026 haben im ehemaligen Hinrichtungshof der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden rund 250 Personen an der zentralen Gedenkfeier der Stadt Dresden zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus teilgenommen, zu der die Stadt Einladungen an alle Fraktionen des Stadtrates gerichtet hatte. Mitveranstalter war das Münchner-Platz-Komitee, das eine Kranzniederlegung durch offizielle AfD-Vertreter für unerwünscht erklärt hatte. Als Mitglieder der Stadtratsfraktion der in Sachsen als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei trotzdem einen Kranz ablegen wollten, blockierten Demonstrierende zeitweilig den Ablauf der Gedenkstunde. Im Anschluss an die Gedenkfeier widmete sich eine Veranstaltung der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden dem Themenjahr zur jüdischen Kultur in Sachsen, „Tacheles 2026“.
Zu der Veranstaltung am 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz kamen Vertreter und Vertreterinnen der Zivilgesellschaft sowie der offiziellen Politik zusammen. Unter ihnen waren der Präsident des Sächsischen Landtags, Alexander Dierks, sowie die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus und Vorsitzende des Gedenkstättenstiftungsrates Barbara Klepsch. Als Vertreter der Stadt Dresden und des Oberbürgermeisters erinnerte der Erste Bürgermeister Jan Donhauser daran, dass auch am 26. Januar 1945, am Vortag der Befreiung des KZ Auschwitz, Todesurteile im Richthof des damaligen Landgerichts Dresden mit der Guillotine vollstreckt wurden. Im Namen der Technischen Universität Dresden benannte die Prorektorin Universitätskultur, Prof. Dr. Roswitha Böhm, unter anderem die Mitwirkung der Wissenschaft an nationalsozialistischen Verbrechen. Die Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinde, Ekaterina Kulakova, sprach darüber, dass jüdische Menschen heute – 81 Jahre nach der Shoah – nicht sicher leben können.

Mit deutlichen Worten setzte sich der Vorsitzende des Münchner-Platz-Komitees, Wolfgang Howald, mit der Gefahr auseinander, die von der AfD ausgeht: „Eine zentrale Forderung der AfD ist es, den sogenannten ‚Schuldkult‘ zu brechen – ein absurder Begriff“. „Denn es geht nicht um die Schuld der Heutigen, sondern um deren Verantwortung. Der Subtext ist klar: Das Land soll sich von der angeblich einseitigen Erinnerungskultur lösen hin zu einem völkischen Stolz,“ so Wolfang Howald. Er wandte sich an die anwesenden Fraktionsvertreter: Kränze und Blumengebinde von offizieller AfD-Seite seien auf der Gedenkveranstaltung nicht erwünscht, sie bedeuteten eine Beleidigung der hier Ermordeten. „Wir verstehen die Empörung über das Auftreten der AfD hier also gut“, betonte er. Gleichzeitig bat er alle Anwesenden darum, bei der Kranzniederlegung die Ruhe zu bewahren, um die Würde der Veranstaltung zu achten.
Während der Kranzniederlegung kam es zu einer Aktion von Demonstrierenden: Als AfD-Vertreter vortraten, um einen Kranz am Denkmal im ehemaligen Hinrichtungshof zu platzieren, stellten sich einige Protestierende zwischen die Politiker und das Denkmal „Widerstandskämpfer“, an dem bereits vorher die Kränze und Blumen abgelegt worden waren. Die Demonstrierenden führten Transparente mit sich und sangen: „Leistet Widerstand gegen den Faschismus hier im Land.“ Damit verhinderten sie für eine längere Zeit das Ablegen des Kranzes durch AfD-Politiker.
Die Intervention stieß auf ein unterschiedliches Echo: Während ein Teil der Anwesenden das stille Gedenken durch diese Intervention gestört sah, zeigten andere Sympathien für die Protestform und stimmten mit in das Lied ein. Die Befürchtung, die Gedenkfeier insgesamt könnte von den Demonstrierenden gesprengt werden oder es könnte zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kommen, bestätigte sich nicht.
Diskussionsveranstaltung zu jüdischem Leben
Direkt im Anschluss an die Gedenkfeier veranstaltete die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden eine Diskussionsrunde zum aktuellen „Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen“, das unter dem Namen „Tacheles 2026“ firmiert. Alexander Walther, Historiker und „Tacheles“-Mitarbeiter stellte den Ansatz und das Programm des Themenjahres vor. Über die Frage, welche unterschiedlichen Perspektiven sich mit jüdischer Kultur und Geschichte verbinden, sprachen Valentina Marcenaro, Künstlerische Leiterin der Jüdischen Woche Dresden, und Johanna Stoll, Vorstandsmitglied von HATiKVA.

Kontakt
Volker Strähle (Referent Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit)
0351 46331992
volker.straehle@stsg.de

