Neffe des Seligen Joël d’Auriac besucht Gedenkstätte Münchner Platz Dresden
04.09.26
Philippe Anglès-Dauriac, der Neffe des 1944 am Münchner Platz hingerichteten Franzosen Joël Anglès d’Auriac, hat am 26. August 2026 in Begleitung seiner Frau und von katholischen Priestern aus dem Bistum Toulon die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden besucht. Joël Anglès d’Auriac war Ende 2025 zu einem Seligen der katholischen Kirche erklärt worden. Seit einigen Monaten werden Vorbereitungen getroffen, auf dem Neuen Katholischen Friedhof einen Grabstein für ihn niederzulegen.
Es war ein bewegender Moment für Philippe Anglès-Dauriac, erstmals an der Stelle zu stehen, an der sein Onkel Joël Anglès d’Auriac am 6. Dezember 1944 unter der Guillotine hingerichtet wurde. Die Leiterin der Gedenkstätte, Dr. Birgit Sack, empfing Philippe Anglès-Dauriac und dessen Ehefrau sowie die beiden ebenfalls aus Frankreich angereisten katholischen Priester. Ebenfalls gekommen war Winfried Kuhnigk, leitender Pfarrer der katholischen Pfarrei Selige Märtyrer vom Münchner Platz Dresden. Joël Anglès d’Auriac gehört nun zu den Glaubenszeugen der 2020 durch Fusion entstandenen Pfarrei, die vier Gemeinden umfasst. Zum Abschluss des Besuchs sprach Philippe Anglès-Dauriac der Gedenkstättenleiterin Birgit Sack seinen Dank aus: „Dank Ihrer Hilfe haben wir aus erster Hand Informationen über dieses Gefängnis erhalten, über die Lebensbedingungen der Häftlinge, darunter die meines Onkels, des Seligen Joël, sowie über die Umstände seines Todes.“
Joël Anglès d’Auriac war 1943 als Zwangsarbeiter in das heute tschechische Děčín gekommen, wo er in den Schmiddingwerken, einem Rüstungsbetrieb, eingesetzt wurde. Das Oberlandesgericht Leitmeritz verurteilte ihn am 20. Oktober 1944 wegen „Feindbegünstigung“ zum Tode. Ihm wurde vorgeworfen, einige im selben Betrieb arbeitende Landsleute „zur Arbeitssabotage aufgefordert“ zu haben. Nach dem Todesurteil wurde der 22-Jährige aus dem Gerichtsgefängnis in Litoměřice zur Vollstreckung des Todesurteils nach Dresden überführt.
In den sechs Wochen vor seinem Tod hatte der gläubige Katholik und engagierte Pfadfinder Trost und Halt im Glauben gefudnen – und in der seelsorgerischen Unterstützung durch den katholischen Gefängnisseelsorger Pater Franz Bänsch. In seinen Notizen vermerkte Bänsch, Joël Anglès d’Auriac habe vor seiner Hinrichtung „schön vorgebetet“ und nach der Kommunion mit seinen ebenfalls zum Tode verurteilten Kameraden den Rosenkranz gebetet. In seinem Abschiedsbrief schrieb Joël Anglès d’Auriac an seine Angehörigen: „Meine Liebsten. Während ich sterbe, denke ich an Euch. Ich werde zu meinem Schöpfer zurückkehren. Er hat mir die Zuversicht vermittelt, dass er auch Euer Großer Freund sein wird. Ich drücke auch alle fest an mein Herz.“
Aus politischen Gründen verurteilt, als Glaubenszeuge verehrt
Während die Familienangehörigen und die Vertreter der katholischen Kirche in Joël Anglès d’Auriac nicht nur einen tief gläubigen Katholiken sehen, sondern auch einen Märtyrer, der aufgrund seines Glaubens verfolgt und hingerichtet wurde, betonte die Historikerin Birgit Sack, dass die NS-Justiz ihn aus politischen Gründen verurteilt hatte. In den Prozessunterlagen werde seine Glaubenszugehörigkeit und seine Mitgliedschaft bei den Pfadfindern noch nicht einmal erwähnt. Er wurde für das verurteilt, was ihm vorgeworfen wurde, nämlich Arbeitssabotage. In dem Gespräch übersetzten Schülerinnen und Schüler des Französisch-Leistungskurses der 12. Klasse des St. Benno-Gymnasiums Dresden, die mit der Lehrerin Stephanie Polak in die Gedenkstätte gekommen waren. Sie möchten sich in der kommenden Zeit näher mit der Biografie Joël Anglès d’Auriacs‘ auseinandersetzen.
Im Anschluss an den Gedenkstättenbesuch suchte die Gruppe das Gemeindehaus und die Kirche von St. Paulus auf. Dort feierte Priester Hervé Chiaverini am Nachmittag mit den Anwesenden eine französischsprachige Heiligen Messe. Anschließend besuchte die Gruppe den Neuen Katholischen Friedhof, wo Joël Anglès d’Auriac 1944 bestattet wurde und heute noch ruht. Eigens auf den Friedhof gekommen war auch der scheidende katholische Bischof Heinrich Timmerevers vom Bistum Dresden-Meißen. Der Bischof zeigte sich dankbar, mit Joël „einen Seligen gewonnen haben, an dessen Zeugnis wir heute teilhaben dürfen“.

Kontakt
Volker Strähle (Referent Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit)
0351 46331992
volker.straehle@stsg.de

