Hinrichtungsopfer Joël Anglès d’Auriac seliggesprochen
13.01.26
Joël Anglès d’Auriac, der während der nationalsozialistischen Herrschaft in der Richtstätte am Münchner Platz in Dresden 1944 hingerichtet wurde, ist von der katholischen Kirche seliggesprochen worden. Er gehört zu insgesamt 50 von den Nationalsozialisten getöteten französischen Laien und Geistlichen, die am 13. Dezember 2025 in der Kathedrale Notre-Dame de Paris unter dem Vorsitz von Kardinal Claude Hollerich, Erzbischof von Luxemburg, feierlich zu Seligen erklärt wurden.
Am 25. Februar 1922 wurde Joël Anglès d'Auriac im südfranzösischen Toulon als Sohn eines Marinearztes geboren. In seiner Schulzeit schloss er sich einer katholisch geprägten Pfadfindergruppe an. Die Pfadfinder wurden eine Art zweite Familie für ihn. 1942 legte Joël Anglès d'Auriac in Toulon das Abitur ab. Die Stadt gehörte damals zur unbesetzten Zone, dem sogenannten Vichy-Frankreich, das unter Staatschef Philippe Pétain mit den deutschen Besatzern kollaborierte.
Als Zwangsarbeiter soll er zur „Arbeitssabotage“ aufgerufen haben
Nach der Schule wollte Joël Anglès d'Auriac an der renommierten französischen Militärschule Saint-Cyr bei Versailles studieren. Doch im Mai 1943 musste er sich beim Service de travail obligatoire (STO, Pflichtarbeitsdienst) melden. Er kam nach Děčín im damaligen Reichsgau Sudetenland und leistete dort Zwangsarbeit in den Schmiddingwerken, einem Rüstungsbetrieb.
Über die näheren Umstände von Joël Anglès d'Auriacs Verhaftung am 10. März 1944 ist nichts bekannt. Fest steht, dass das Oberlandesgericht Leitmeritz ihn am 20. Oktober 1944 zum Tode verurteilte. Ihm wurde vorgeworfen, einige im selben Betrieb arbeitende Landsleute „zur Arbeitssabotage aufgefordert“ zu haben. Nach dem Todesurteil wurde der 22-Jährige aus dem Gerichtsgefängnis in Litoměřice zur Vollstreckung des Todesurteils nach Dresden in das Hafthaus in der George-Bähr-Straße 5 überführt. Am 6. Dezember 1944 starb der gläubige Katholik unter dem Fallbeil. Die damalige Hinrichtungsstätte gehört heute zur Gedenkstätte Münchner Platz Dresden.
In den sechs Wochen vor seinem Tod fand er Trost und Halt im Glauben und in der seelsorgerischen Unterstützung durch den katholischen Gefängnisseelsorger Pater Franz Bänsch (1899–1961).

Beigesetzt auf dem Neuen Katholischen Friedhof
Joël Anglès d’Auriac wurde auf dem Dresdner Neuen Katholischen Friedhof in einem Grab zusammen mit seinen Landsleuten Jean Bruyeron und Auguste Ledoux und dem Tschechen Josef Tomčík beigesetzt.
Nach Kriegsende bemühte sich Pater Bänsch vergeblich, mit den Eltern von Joël Anglès d‘Auriac Kontakt aufzunehmen, um ihnen eine Haarlocke ihres Sohns und dessen letzte Grüße auf einem Gebetszettel zu übermitteln.
Seligsprechung erlaubt örtliche Verehrung
Die Seligsprechung der katholischen Kirche erlaubt, einen Verstorbenen als Seligen öffentlich zu verehren und seine Fürbitte bei Gott zu erbitten. Die Seligsprechung stellt einen Menschen heraus, der ein besonders vorbildhaftes Glaubensleben geführt haben soll und deswegen von der Kirche eines Landes, eines Bistums oder auch einer bestimmten Gemeinschaft verehrt werden darf. Dem Akt der Seligsprechung geht ein Seligsprechungsprozess voraus. Darin werden Belege für die Heiligkeit, das gegebenenfalls stattgefundene Martyrium, eine mögliche Verfolgung aus Gründen des Glaubens, der herausragenden Tugenden und eventuell eingetretener Wunder gesammelt.
Die „seligen Märtyrer vom Münchner Platz“
Joël Anglès d’Auriac ist nicht die einzige im Justizkomplex am Münchner Platz hingerichtete Person, die mittlerweile als Selige verehrt werden. Fünf polnische Widerstandskämpfer aus Poznań, Czesław Jóźwiak (1919–1942), Edward Kaźmierski (1919–1942), Franciszek Kęsy (1920–1942), Jarogniew Wojciechowski (1922–1942) und Edward Klinik (1919–1942), wurden im Juni 1999 von Papst Johannes Paul II. in Warschau seliggesprochen. Die am 24. August 1942 in Dresden hingerichteten Schüler des Salesianer Oratoriums werden unter anderem in der nach ihnen benannten katholischen Pfarrei „Selige Märtyrer vom Münchner Platz Dresden“ in Dresden-Plauen verehrt. Zu den „seligen Märtyrern“ der Pfarrei gehört auch der polnische Steyler Missionsbruder Grzegorz Frąckowiak (1911–1943), der am 5. Mai 1943 am Münchner Platz hingerichtet wurde. Außerdem gilt seit 2011 der ehemalige Kaplan der Dresdner Hofkirche, der Sorbe Alojs Andricki (1914–1943), als Seliger. Auch er saß in Dresden in Haft, er starb 1943 im Konzentrationslager Dachau.
Kontakt
Volker Strähle (Referent Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit)
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