Gedenkstätte Münchner Platz Dresden widmete sich am Tag des offenen Denkmals der eigenen Geschichte in der DDR
14.09.26
Im ehemaligen Hinrichtungshof am Münchner Platz eröffnete die damalige Technische Hochschule Dresden 1959 eine „Mahn- und Gedenkstätte“. Am Tag des offenen Denkmals am 13. September 2026 waren Interessierte eingeladen, das bauliche Erbe der DDR-Gedenkstätte kennenzulernen. Ein besonderes Interesse weckten die historischen Fotografien und Tonaufnahmen aus der DDR-Zeit. Insgesamt 290 Besucherinnen und Besucher kamen am Denkmalstag in die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden.
„Nach den Überresten der DDR-Gedenkstätte brauchen wir nicht zu graben“, sagte Gedenkstättenmitarbeiter Volker Strähle nach der Begrüßung – „wir finden sie überall“. Die Besucherinnen und Besucher wiesen gleich auf die von Arnd Wittig (1921–1999) geschaffene Gruppenplastik „Widerstandskämpfer“, die bis heute im Mittelpunkt des Gedenkhofes steht. „Die sieht nach 50er-Jahren aus“, vermutete ein Besucher. Tatsächlich stammen die Entwürfe aus den späten 1950er-Jahren, aufgestellt wurde die Figurengruppe allerdings erst 1962 – drei Jahre nach Eröffnung der Gedenkstätte. Unter anderem die Kritik an dem nicht als sozialistisch-fortschrittlich empfundenen Frauenbild der Plastik führte dazu, dass Wittig seinen Entwurf überarbeiten musste.
Im Boden unweit des Gedenkhofes entdeckten die Besucherinnen und Besucher abgesägte Fahnenstangen – insgesamt 12 an der Zahl. Wie Volker Strähle anhand zweier Fotos aus den 1950er- und 1980er-Jahren zeigte, waren es anfangs nur 9 Fahnenstangen gewesen, dann wurden weitere 3 montiert. An Gedenktagen wurden nämlich die Nationalfahnen jener Staaten gehisst, aus denen die während der NS-Zeit hingerichteten Menschen stammten. Kam man zunächst auf 9 Staaten, waren es am Ende 12.
Die Spurensuche war Teil einer am Denkmalstag zweimal durchgeführten Spezialführung zur baulichen Entwicklung der DDR-Gedenkstätte von 1959 bis 1989. Zunächst hatten sich die Planer mit den Denkmalen und Inschriften auf den ehemaligen Richthof konzentriert. Die im angrenzenden früheren Landgerichtsgebäude befindlichen 6 Haftzellen wurden in den 1960er-Jahren vom Hof aus zugänglich gemacht. Im Laufe der 1980er-Jahre wurde eine neue Eingangssituation an der George-Bähr-Straße geschaffen und zusätzlich ein früherer Gefängnishof mit Denkmalsanlagen gestaltet. Ziel war es, die „antifaschistischen Widerstandskämpfer“ – allen voran der am Münchner Platz hingerichtete ehemalige KPD-Reichstagsabgeordnete Georg Schumann (1886–1945) – als Vorkämpfer des DDR-Sozialismus lebendig zu machen und die Besucherinnen und Besucher auf die Verteidigung des sozialistischen Systems zu verpflichten. Noch am 11. Oktober 1989, als die SED-Macht in Dresden bereits mit Massendemonstrationen konfrontiert war, wurde feierlich eine Statue Georg Schumanns eingeweiht.
Auf Tonaufnahmen aus den 1980er-Jahren spricht die Tochter Georg Schumanns
Die herausgehobene Rolle Georg Schumanns wurde auch anhand der aus DDR-Zeiten stammenden Tonbandaufnahmen aus dem Gedenkstätten-Archiv deutlich, die Volker Strähle präsentierte. Als „Inbegriff des Deutschlands der Menschlichkeit“ wird Schumann auf einer Aufnahme aus den 1980er-Jahren bezeichnet. Seine Tochter Ruth schildert anschließend, wie sie ihren Vater zum letzten Mal in der Haftanstalt am Münchner Platz zu Gesicht bekam. „Ich hab‘ wenig Hoffnung“, sagte er demnach seiner Tochter angesichts des Todesurteils.
Unter den Besucherinnen und Besuchern am Tag des offenen Denkmals waren etliche ältere Menschen, die von Besuchen der Gedenkstätte zu DDR-Zeiten erzählten. Eine Frau hatte sich zunächst nur daran erinnert, als junges Mädchen in der Gedenkstätte gewesen zu sein. Als Volker Strähle in seiner Bilderschau eine Delegation des Graphischen Großbetriebs „Völkerfreundschaft“ bei der Verleihung des Ehrennamens „Georg Schumann“ an seine Betriebsschule zeigte, fiel ihr plötzlich ein, dass sie auch als „Völkerfreundschaft“-Auszubildende hier gewesen war. „Das hatte ich ganz vergessen“, meinte sie. Für Erstaunen sorgte bei einigen Besucherinnen und Besuchern, dass auch die DDR – zumal am Münchner Platz in Dresden – Todesurteile vollstreckt hatte. Wenig überraschend fanden sie jedoch die Tatsache, dass in der DDR-Gedenkstätte die Geschichte der Nutzung des Münchner Platzes durch die Justiz der sowjetischen Besatzungsmacht und frühen DDR bis 1956 weitgehend ein Tabuthema gewesen war.
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Volker Strähle (Referent Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit)
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