Präsentation des Projekts zu den „Kompromatslisten“ des Speziallagers Bautzen auf der Geschichtsmesse der Bundesstiftung Aufarbeitung
02.03.26
Am 27. Februar 2026 präsentierten die Dokumentationsstelle Dresden und die Gedenkstätte Bautzen auf der 18. Geschichtsmesse der Bundesstiftung Aufarbeitung in Suhl ihr gemeinsames Projekt zur systematischen Erfassung und Auswertung der sogenannten Kompromatslisten aus dem Speziallager Bautzen.
Die Kompromatslisten – benannt nach „Kompromat“ (kompromittierendes Material) – umfassen eine namentliche Aufstellung von etwa 6 100 SMT-Verurteilten, die im Vorfeld der Auflösung des Lagers Anfang 1950 erstellt wurde. Diese Dokumente der sowjetischen Speziallagerverwaltung enthalten nicht nur persönliche Daten und Verurteilungsdetails, sondern auch Kurzfassungen der Tatvorwürfe. Sie dienen als zentrale Quelle zur Rekonstruktion der Häftlingsstruktur und der Lagerhistorie.
Projektfortschritt und Ziele
Seit dem Frühjahr 2025 erfassen die beiden Institutionen diese Informationen in einer digitalen Datenbank. Das Ziel: Die Daten für wissenschaftliche Forschung zugänglich zu machen und vor allem Auskünfte für Betroffene und Angehörige zu erleichtern. In der Präsentation wurde eine Zwischenbilanz gezogen, bei der ausgewählte Fälle vorgestellt, praktische Erfahrungen geteilt und aktuelle Herausforderungen beleuchtet wurden.
Diskussion und offene Fragen
Die lebhafte Diskussion mit dem Publikum drehte sich insbesondere um zwei zentrale Themen:
- Glaubwürdigkeit der Quellen: Inwiefern sind die sowjetischen Angaben zu den Tatvorwürfen verlässlich? Welche Möglichkeiten gibt es, diese mit anderen historischen Dokumenten abzugleichen?
- Datenschutz: Bei der geplanten öffentlichen Bereitstellung der Daten muss der Schutz personenbezogener Informationen gewährleistet werden.
Das Projekt wird 2026/27 fortgesetzt.
Kontakt
Dr. Bert Pampel, Leiter der Dokumentationsstelle Dresden | Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Tel. 0351 4695548
bert.pampel@stsg.de
www.dokst.de

