Schülerprojekte

Schüler beim Rollenspiel während des Schülerprojektes „Friedliche Revolution in Bautzen“, 2005, Bildarchiv der Gedenkstätte BautzenDauer: jeweils 3 ½ Stunden, Projekt 7: 3 Tage
Vor Beginn der Projekte sehen die Schüler den Einführungsfilm zur „Geschichte der Bautzener Gefängnisse“. Danach erschließen sich die Schüler in Kleingruppen die Inhalte des jeweiligen Themas selbstständig. Ein Fragebogen bietet eine Orientierungshilfe bei der Arbeit mit dem Material und für die anschließende Präsentation der Ergebnisse. Ihre Erkenntnisse stellen sich die Schüler gegenseitig in Form von Vorträgen, Führungen und Rollenspielen vor. Es entstehen Tabellen, Schaubilder und "mind-maps", die zur Nachbereitung mitgenommen werden können. Interessierten Lehrern steht für die Vor- und Nachbereitung sowie die Vertiefung der Projekte zusätzliches Arbeitsmaterial zur Verfügung. Alle Projekte sind für Schüler ab der 10. Klassenstufe geeignet. Die Projekte 2, 3 und 4 sind auch in einer Version für Schüler der 8. Klasse vorhanden. Historische Grundkenntnisse werden für alle Projekte vorausgesetzt.

1. Politische Justiz im Nationalsozialismus (1933-1945)

In der NS-Diktatur wurden politische, religiöse und gesellschaftliche Gruppen, die nicht mit bestehenden Ideologie übereinstimmten, zunehmend kriminalisiert. Fünf Gruppen erarbeiten mit Hilfe von Gesetzen und Gerichtsakten Schicksale von Häftlingen, die vom NS-Regime aus politischen und religiösen Gründen in Bautzen inhaftiert wurden. Dabei finden sie heraus, wie mit Verordnungen und der Auflösung der Gewaltenteilung die Rechtsstaatlichkeit ausgehebelt wurde.

2. Heimtückegesetz im Nationalsozialismus (1933-1945)

Mit Hilfe des Heimtückegesetzes von 1934 konnte in der NS-Diktatur jeder bestraft werden, der etwas gegen Deutschland, Hitler oder das NS-Regime sagte. Die Schüler lernen anhand einer Gerichtsakte ein Schicksal kennen und erfahren, wie schnell man durch kritische Äußerungen in die Mühlen der NS-Justiz geraten konnte. Anschließend setzen sie sich über die Bedeutung des Gesetzes für das Miteinander der Menschen auseinander.

3. Geschichte des sowjetischen Speziallagers Bautzen (1945-1956)

Die sowjetische Besatzungsmacht richtete nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Bautzen I ein sogenanntes Speziallager ein. In ihm sollten als "feindliche Elemente" geltende Personen, zum Beispiel Funktionäre der nationalsozialistischen Partei oder frühere Mitarbeiter im deutschen Repressionsapparat (Gestapo, Justiz), interniert werden. Bald wurde es jedoch fast ausschließlich zur Inhaftierung politischer Gegner der Besatzungsmacht genutzt. Briefe, Dokumente und Berichte der Häftlinge erzählen von Hunger, Kälte und Isolation der Speziallagerhäftlinge. Die Schüler lernen fünf Haftschicksale kennen und erfahren, wie das Lagerleben organisiert war.

4. Weggesperrt. Politische Haft in Bautzen II (1956-1989)

Das Stasi-Gefängnis Bautzen II war in der DDR das Gefängnis für sogenannte „Staatsfeinde“. Die Schüler recherchieren bei einem Rundgang durch die Ausstellung Schicksale Inhaftierter und lernen die konsequenten Unterdrückungsmethoden der Stasi kennen. Anschließend setzen sie sich über politische Haft, den Umgang mit politischen Häftlingen, die Haltung einer Diktatur gegenüber Andersdenkenden und den Menschenrechten auseinander.

5. Geschichte des Stasi-Gefängnisses Bautzen II (1956-1989)

Das Ministerium für Staatssicherheit richtete 1956 das Sondergefängnis Bautzen II ein, um politische Gegner der DDR zu inhaftieren. Im Büro der Stasi, dem Hafthaus und den Arrestzellen erschließen die Schüler sich die Geschichte der Haftanstalt Bautzen II. Sie erfahren aus Akten, Erlebnisberichten und Verordnungen, wie die Stasi in Bautzen II arbeitete und warum die Inhaftierten von der DDR-Regierung politisch verfolgt wurden.

6. Spitzel hinter Gittern – Häftlinge als Inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit

Die Stasi errichtete in den Gefängnissen der DDR Spitzelsysteme. Gezielt wurden Häftlinge als Inoffizielle Mitarbeiter angeworben. Warum arbeiteten Häftlinge für die Staatssicherheit? Dieser Frage gehen die Schüler anhand von Stasi-Akten nach. Sie erfahren, wie Spitzel geworben wurden und welche Folgen die Spitzeltätigkeit für die Mithäftlinge hatte. Anschließend wird über die moralische Dimension des Verrats diskutiert. Im Vorfeld empfiehlt sich die Teilnahme an einer Führung durch die Gedenkstätte Bautzen.

7. Friedliche Revolution in Bautzen (1989/1990)

1989 demonstrierte auch die Bevölkerung in Bautzen gegen das SED-Regime und trug somit zum Ende der SED-Diktatur bei. Die Schüler recherchieren in der ehemaligen Haftanstalt Bautzen II, dem Stadtarchiv, der evangelischen Kirche, dem Stadtmuseum, der Sächsischen Zeitung, dem Sorbischen Museum und der Stadtbibliothek die Ereignisse des Herbstes 1989. Anhand verschiedener Quellen erhalten sie einen Einblick in die Geschichte der DDR und die Ereignisse von 1989/1990. Anschließend werden sie in Zeitzeugeninterviews, Umfragen und einem zeitgenössischen Film mit persönlichen Meinungen und Erinnerungen konfrontiert.

Bei Fragen zu Inhalten und Methoden können Sie sich melden bei:
Projekte 1-3: Ulrike Lüneburger 0 35 91 / 53 03 62 oder ulrike.lueneburger@stsg.smwk.sachsen.de
Projekte 4-7: Susanne Hattig 0 35 91 / 53 03 63 oder susanne.hattig@stsg.smwk.sachsen.de

Informationen zu den Schülerprojekten:
1. Politische Justiz im Nationalsozialismus
2. Heimtückegesetz im Nationalsozialismus
3. Geschichte des sowjetischen Speziallagers Bautzen
4. Weggesperrt. Politische Haft in Bautzen II
5. Geschichte des Stasi-Gefängnisses Bautzen II
6. Spitzel hinter Gittern - Häftlinge als Inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit 
7. Friedliche Revolution in Bautzen

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