Deutsch-Polnisches Gedenkstättenforum
Das Deutsch-Polnische Gedenkstättenforum ist ein gemeinsames Netzwerk deutscher und polnischer Gedenkstätten und Erinnerungsinstitutionen. Es dient dem fachlichen Austausch über die Erinnerung an die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sowie der langfristigen Zusammenarbeit zwischen zentralen Erinnerungsorten beider Länder.
Gedenkstätten in Deutschland und Polen übernehmen eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Sie erinnern an die Opfer von Verfolgung, Terror und Vernichtung, bewahren historische Orte und leisten einen wichtigen Beitrag zur historisch-politischen Bildung. Die Geschichte der nationalsozialistischen Gewalt verbindet Deutschland und Polen in besonderer Weise: Millionen polnischer Bürgerinnen und Bürger wurden Opfer deutscher Besatzungs- und Vernichtungspolitik, zahlreiche Konzentrations- und Vernichtungslager befanden sich im besetzten Polen.
Trotz dieser engen historischen Verflechtungen fehlten bislang dauerhafte Formate für einen regelmäßigen institutionellen Austausch zwischen deutschen und polnischen Gedenkstätten. Das Deutsch-Polnische Gedenkstättenforum schafft hierfür einen festen Rahmen. Im Mittelpunkt des Forums stehen aktuelle Herausforderungen, die viele Gedenkstätten gleichermaßen betreffen. Dazu gehören unter anderem:
• Digitalisierung und der Umgang mit künstlicher Intelligenz,
• gesellschaftliche Radikalisierung und Desinformation,
• der Erhalt historischer Orte und Gebäude,
• sowie Bildungsarbeit in zunehmend diversen Gesellschaften.
Ziel des Forums ist es, voneinander zu lernen, Fachwissen auszutauschen und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Gleichzeitig soll ein belastbares Netzwerk entstehen, das Kooperationen zwischen einzelnen Einrichtungen fördert und die deutsch-polnische Erinnerungskultur nachhaltig stärkt. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Spannungen kommt dem grenzübergreifenden Austausch eine besondere Bedeutung zu.
Das Deutsch-Polnische Gedenkstättenforum tagt zweimal jährlich – abwechselnd in Deutschland und Polen. Die erste Tagung fand im März 2026 in Lublin statt. Die zweite Ausgabe des Forums wird im November 2026 in Dresden ausgerichtet.
Organisiert und inhaltlich begleitet wird das Forum auf deutscher Seite von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, dem Deutsch-Polnischen Haus und der Stiftung Sächsische Gedenkstätten. Partner auf polnischer Seite ist das Staatliche Museum Majdanek.
Das Forum versteht sich als langfristiges Projekt. Denn nachhaltige Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen und ein gemeinsames erinnerungskulturelles Netzwerk entstehen nur durch kontinuierlichen Austausch über viele Jahre hinweg.
1. Deutsch-Polnisches Gedenkstättenforum im März 2026
Vom 23. bis 26. März 2026 fand in Lublin das erste Deutsch-Polnische Gedenkstättenforum statt. An der Auftaktkonferenz nahmen rund 42 Vertreterinnen und Vertreter aus etwa 30 deutschen und polnischen Institutionen teil.
Die Tagung wurde gemeinsam vom Staatlichen Museum Majdanek, der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Stiftung Sächsische Gedenkstätten organisiert. Eröffnet wurde das Forum unter anderem durch Tomasz Kranz, Direktor des Staatlichen Museums Majdanek, den stellvertretenden polnischen Kulturminister Marek Krawczyk sowie den deutschen Botschafter in Polen, Miguel Berger.
Im Mittelpunkt standen Fragen der zukünftigen Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Gedenkstätten. Diskutiert wurden Perspektiven gemeinsamer Projekte, institutioneller Austausch sowie unterschiedliche erinnerungskulturelle Ansätze in beiden Ländern.
Zum Programm gehörten außerdem gemeinsame Besuche der Gedenkstätten Majdanek und Sobibór sowie der ehemaligen Synagoge in Włodawa. Vor Ort tauschten sich die Teilnehmenden über Formen der Gedenkstättenarbeit aus und gedachten gemeinsam der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen. Das Forum in Lublin bildete den Auftakt für einen kontinuierlichen deutsch-polnischen Dialog im Bereich der Erinnerungskultur.
Liste mit allen Einrichtungen, die bisher teilgenommen haben:
Centralne Muzeum Jeńców Wojennych w Opolu
Muzeum Dzieci Polskich – ofiar totalitaryzmu
Muzeum Getta Warszawskiego
Muzeum Gross-Rosen w Rogoźnicy
Muzeum Historii Polski
Muzeum Historii Żydów Polskich POLIN
Muzeum i Miejsce Pamięci w Bełżcu
Muzeum i Miejsce Pamięci w Sobiborze
Muzeum II Wojny Światowej w Gdańsku
Muzeum KL Plaszow
Muzeum Martyrologiczne w Żabikowie
Muzeum Stutthof w Sztutowie
Muzeum Treblinka
Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau
Państwowe Muzeum na Majdanku
Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin
Gedenkstätte Bergen-Belsen
Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz
Gedenkstätte Lager Sandbostel
Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Gedenkstätte Roter Ochse Halle
Geschichtsort Villa ten Hompel Münster
KZ-Gedenkstätte Neuengamme
Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas
Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Topographie des Terrors
Gefördert von:

Kontakt
Martina Meiselbach
Wissenschaftliche Referentin
Tel. 0155 67305262
martina.meiselbach@stsg.de

