Tausende neue Fotos im Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V. (ABL)
18.03.26
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten teilt eine Meldung des Archiv Bürgerbewegung Leipzig e.V.:
Im Jahr 2025 konnten – finanziert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur – im Archiv Bürgerbewegung Leipzig (ABL) zwei Fotobestände digitalisiert und erschlossen werden.
Bereits 2023 wurde im Archiv der Vorlass von Christian Hönemann verzeichnet. Im Nachgang übergab er dem ABL tausende Fotografien, die sein Engagement in den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen „bebildern“ sowie seine bereits vorhandenen persönlichen Dokumente und Unterlagen ergänzen.
Im vergangenen Jahr wurden mehr als 2000 Fotos von Christian Hönemann in die ABL-Fotosammlung integriert. Diese widmen sich der Arbeit des Bürgerkomitee Leipzig e. V. in den ersten zwanzig Jahren seiner Existenz mit seiner Ausstellung zur Aufarbeitung des MfS, dem Bunker in Machern, zahllosen Veranstaltungen und Aktionen sowie den Besuchen von Politikern im Museum in der Runden Ecke. Auch den Verein Osteuropahilfe Halle e. V. und dessen Hilfstransporte hat Hönemann intensiv fotografisch begleitet. Seit November 1989 war dieser in Rumänien und ab Herbst 1992 in der serbisch besetzten Krajina aktiv.
Das Interesse des Fotografen am Thema Umweltschutz spiegelt sich u. a. in den enthaltenen Fotografien von Braunkohletagebauen, der SDAG Wismut, devastierten Orten, Baumpflanzaktionen und Bergbaufolgelandschaften wider. Auch die Transformation ab 1990 lässt sich anhand des inhaltlich breitgefächerten Fotobestandes nachzeichnen. Hönemanns Bilder erzählen vom Besuch der britischen Königin Elisabeth II. im Oktober 1992 in Leipzig, zeigen den Zustand der Leipziger Bausubstanz nach dem Ende der DDR sowie Kundgebungen, Demonstrationen Anfang der 1990er-Jahre und vieles mehr.
Der zweite Fotobestand wurde 2023/2024 von Adelheid Liebetrau an das Archiv übergeben. Ein Großteil der etwa eintausend im Zuge des Erschließungsprojektes verzeichneten Fotografien entstand bereits Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre. Ein Zeitfenster, das innerhalb der ABL-Fotosammlung bisher eher unterrepräsentiert ist. Umso mehr freuen wir uns, mit diesem neuen Bestand einige „Überlieferungslücken“ schließen zu können. Von besonderer Bedeutung sind Liebetraus Aufnahmen der Sprengung der Leipziger Universitätskirche. Wichtig und neu im Bestand sind zudem ihre Fotografien vom „offiziellen Kunst- und Kulturbetrieb“ in der DDR (Bezirkskunstausstellung 1972, Lehrende, Studierende und Unterricht (an) der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Vorlesungen am Literaturinstitut Leipzig, Künstlerporträts).

Liebetrau fotografierte außerdem Arbeiterinnen und Arbeiter in verschiedenen Produktionsbetrieben. Von Oktober 1989 bis Anfang 1990 beteiligte sie sich an den Demonstrationen in Plauen und fotografierte diese genauso intensiv wie die Grenzöffnung zwischen dem Vogtland (Plauen) und Bayern (Hof). Vom politischen und kulturellen Wandel zeugen ihre Aufnahmen von den für den Export in Scheunen gelagerten Antiquitäten in Fasendorf, Drochaus oder Oberpirk (Kunst und Antiquitäten GmbH, KoKo) ebenso wie Fotos der ersten Aktivitäten und Ausstellungen des im Oktober 1990 gegründeten Kunstverein Plauen-Vogtland e. V.
Beide Fotobestände dienen als Quellen für die politische Bildungsarbeit ebenso wie für Forschungs-, Buch- und Ausstellungsprojekte. Über die Datenbank des Archivs stehen die neu erschlossenen Fotografien ab sofort Interessierten für die Recherche und Nutzung zur Verfügung.
Kontakt:
Archiv Bürgerbewegung Leipzig e. V.
Tel: 0341 30 65 175
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