Zum Tod von Dr. Hans Brenner
23.04.26
Mit großer Anteilnahme haben wir vom Tod von Herrn Dr. phil. Hans Brenner erfahren. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten spricht seiner Familie und den Angehörigen herzliches Beileid aus.
Mit Dr. Hans Brenner verliert Sachsen einen Forscher und Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts, dessen Wirken für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Lagergeschichte von bleibender Bedeutung ist. Ausgehend von seiner Heimatstadt Zschopau hat er sich mit großer Ausdauer, wissenschaftlicher Genauigkeit und ehrenamtlichen Engagement den Spuren von Zwangsarbeit, Konzentrationslagern, Außenlagern und Todesmärschen in Sachsen gewidmet. Besonders verdienstvoll bleibt, dass er nicht bei Strukturen und Zahlen stehenblieb, sondern die Namen, Biografien und Schicksale der Verfolgten in den Mittelpunkt rückte.
Seine Forschungen zu den Außenlagern des KZ Flossenbürg, zu den Todesmärschen und Todestransporten des KZ Groß-Rosen und seiner Nebenlager sowie sein Einsatz für die Erinnerung an jüdische Frauen und Mädchen, die in der Rüstungs- und Kriegswirtschaft ausgebeutet wurden, haben wesentlich dazu beigetragen, zuvor wenig bekannte oder verdrängte Kapitel der sächsischen Geschichte zu erschließen. Dass seine Arbeit bis zu Kontakten mit Überlebenden und deren Nachkommen weit über Deutschland hinausreichte, zeigt die menschliche Dimension seines historischen Engagements.
Von besonderer Bedeutung für die erinnerungskulturelle Arbeit in Sachsen ist auch das von ihm gemeinsam mit Wolfgang Heidrich, Klaus-Dieter Müller und Dietmar Wendler herausgegebene Werk „NS-Terror und Verfolgung in Sachsen. Von den Frühen Konzentrationslagern bis zu den Todesmärschen“. Diese Publikation ist weit mehr als ein Nachschlagewerk. Sie ist eine grundlegende Sammlung von Forschungsergebnissen, die in unseren Gedenkstätten für ihre Forschungs- und Bildungsarbeit unverzichtbar ist.
Auch die Stiftung Sächsische Gedenkstätten war mit dem Wirken von Herrn Dr. Brenner über viele Jahre verbunden. Über unseren Förderbereich konnten Projekte und Publikationen finanziell gefördert werden, die er mitgeprägt oder gar initiiert hatte. Wir sind dankbar, dass die Stiftung einzelne Vorhaben aus diesem Umfeld unterstützen konnte, zuletzt im Jahr 2020. Diese Projektförderungen waren Ausdruck unserer Wertschätzung für eine Arbeit, die vielfach ehrenamtlich getragen wurde und dennoch einen dauerhaften wissenschaftlichen und erinnerungskulturellen Ertrag hervorgebracht hat.
Dr. Brenner hat einen Beitrag geleistet, der weit über einzelne Publikationen, Vorträge und Projekte hinausreicht. Seine Auszeichnungen, darunter der Ehrenpreis des Chemnitzer Friedenspreises und der Sächsische Verdienstorden, würdigen dieses Lebenswerk in angemessener Weise; seine eigentliche Bedeutung liegt jedoch in den Spuren, die seine Arbeit in Archiven, Gedenkstätten, Publikationen und im Bewusstsein vieler Menschen hinterlassen hat.
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten wird Dr. Hans Brenner in dankbarer Erinnerung behalten.
Kontakt
Sven Riesel
Stellvertretender Geschäftsführer | Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0351 4695545
sven.riesel@stsg.de

