Zur Museumsnacht Halle & Leipzig am 9. Mai 2026 sind in Leipzig drei Orte der SED-Diktatur geöffnet
07.05.26
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten teilt eine Meldung der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ Leipzig:
Die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ öffnet zur Museumsnacht am Samstag, den 9. Mai 2026,
wieder drei authentisch erhaltene Orte der SED-Diktatur. Besucher erhalten Einblicke in die Arbeit des
Ministeriums für Staatssicherheit in Friedens- und möglichen Kriegszeiten, zu den Repressionsmaßnahmen
gegen die eigene Bevölkerung, aber auch zur Überwindung der kommunistischen Diktatur durch die
Friedliche Revolution im Herbst 1989.
Je weiter die DDR zurück liegt, um so wichtiger und wertvoller ist der authentische Erhalt der Orte der
Diktatur für die Vermittlung der Geschichte an die nachfolgenden Generationen. Die ehemalige zentrale Hinrichtungsstätte der DDR in der Leipziger Südvorstadt sowie die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ haben von 18.00 bis 24.00 Uhr und das Museum im Stasi-Bunker in Machern von 17 bis 23 Uhr geöffnet. Die Besucher erwartet wieder ein umfangreiches Programm aus Führungen und Filmen sowie ein Quiz als Mitmach-Aktion.
Die Besucher der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ können sich in der historischen Ausstellung „Stasi – Macht und Banalität“ an speziellen Stationen informieren, unter anderem zur psychologischen Zersetzung Andersdenkender, oder zur Überwachung des Telefon- und Postverkehrs, zu der in der Ausstellung die einzig noch erhaltenen Geräte wie Aufdampftische, eine Schließmaschine sowie Pressen zu sehen sind.
Eine nach wie vor besonders tragische Aktualität hat der Themenschwerpunkt „Getreu der Ideologie der Tscheka: Tod statt vielfältigem Leben.“ Zur Durchsetzung der kommunistischen Diktatur nutzte bereits die sowjetische Geheimpolizei „Tscheka“ ab 1917 Terror und Gewalt. Seit über vier Jahren erleben die Menschen in der Ukraine, wie diese grausame Ideologie durch den KGB-Offizier Putin in der Gegenwart seine Fortsetzung findet. Das Motto der diesjährigen Museumsnacht „Nachtgestalten“ trifft insbesondere auch auf die Situation bei der Besetzung am 4. Dezember 1989 zu: Noch Mitten in der Nacht waren die Mitarbeiter der Stasi fieberhaft dabei, die Dokumente ihrer menschenverachtenden Tätigkeit zu vernichten. Für die Tag und Nacht aktiven Beobachter an der innerdeutschen Grenze spielten Nachtsichtgeräte eine große Rolle, mit deren Hilfe man Fluchtversuche vereitelte, zu sehen während der Museumsnacht in der Runden Ecke“.
Von 18 bis 24 Uhr können die Besucher bei einem Quiz testen, wie gut sie die historische Ausstellung „Stasi - Macht und Banalität“ in der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ kennen. Die Quiz-Fragen erhalten die Besucher am Eingang der Ausstellung. Nach dem Rundgang werden die ausgefüllten Fragebögen am Ende des Ganges, der zugleich der Ausgang ist, zur Auswertung abgegeben. Wer mindestens sechs Fragen richtig beantworten konnte, erhält eine Freikarte für einen Rundgang „Stasi intern“.
Im ehemaligen Stasi-Kinosaal erwartet die Besucher schon ab 17.30 Uhr ein abwechslungsreiches Programm mit Filmvorführungen aus der Reihe Kripo live über „Säuglingsmorde in der Leipziger Frauenklinik“ die die Stasi vor der Öffentlichkeit geheim hielt, oder Stasi-Schulungsfilme, die bis 1989 genau in diesem Saal den Offizieren gezeigt wurden: Wie verhindert man einen Grenzübertritt oder über die Arbeit der Führungsoffiziere mit den ihnen „anvertrauten“ Spitzeln. Zum Beginn des Abends zeigen wir den MDR-Film „Die Leipziger Stasi-Zentrale – DDR-Relikt in bester City-Lage“ der 22 Uhr wiederholt wird. Auf dem Areal der ehemaligen Stasi-Zentrale am früheren Matthäikirchhof: Präsentation der Open-Air-Ausstellung „Von der Burg zur Stasizentrale“, sowie die Geländerundgänge „Stasi intern“ und „Die archäologischen Spuren der Keimzelle Leipzigs“.
Im Rahmen der Diskussion um die Zukunft des Areals der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung auf dem früheren Matthäikirchhof präsentiert die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke” die Open-Air-Ausstellung „Von der Burg zur Stasizentrale – Erinnerungen an den Leipziger Matthäikirchhof“. Auf dem Hintergrund der mehr als 1000jährigen Stadtgeschichte Leipzigs, die hier mit der urbe libzi ihren Ursprung nahm, steht vor allem die Entwicklung seit Anfang des letzten Jahrhunderts im Mittelpunkt. Vom Verwaltungsneubau der Leipziger Feuerversicherungsanstalt 1913, über die Zerstörung der Matthäikirche und des gesamten angrenzenden Areals in der Bombennacht vom 4. Dezember 1943, der Nutzung der „Runden Ecke” unter amerikanischer und sowjetischer Besatzung und schließlich als Sitz der Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) bis zur Besetzung während der Friedlichen Revolution am 4. Dezember 1989 und der nachfolgenden Auflösung wird die wechselvolle Geschichte dieses Areals bis in die Gegenwart erzählt.
Zur Museumsnacht kann die Open-Air-Ausstellung besichtigt werden. Des Weiteren kann bei den geführten
Geländerundgängen „Stasi intern“ 19 und 20.30 Uhr die ehemalige „Zwingburg der SED-Diktatur“ zu Fuß erkundet werden, darunter die Garage, in denen die Stasi-Offiziere im Herbst 1989 fieberhaft die Beweise ihres Tuns vernichteten. Papierbreireste kleben noch an den Wänden und das große Förderband ist der noch sichtbare Beleg für die großen Massen Papier, die sie glaubten der Nachwelt entreißen zu müssen. Die architektonischen Entwicklungen des Areals sind der Schwerpunkt des Rundganges, den Jürgen Meier begleitet, ein sach- und fachkundiger Kenner der Materie, der sich intensiv mit der Zukunft des ehem. Matthäikirchhofs beschäftigt und im Frühjahr 2026 die eindrucksvolle Kunst-Ausstellung ARCHITEKT präsentiert hat. Immer hat sich Jürgen Meier diesem Thema auch mit Blick auf die Erinnerungskultur genähert. Das Landesamt für Archäologie und das Bürgerkomitee Leipzig kooperieren an diesem Abend mit einer gemeinsamen Veranstaltung auf dem Stasi-Areal. Um 21.00 Uhr nimmt Mirco Oehlert die Besucher mit auf eine spannende Reise in die Stadtgeschichte der zurückliegenden über 1.000 Jahre, anhand der archäologischen Überreste, die sich noch immer unter dem Boden des von der Stasi genutzten Matthäikirchhofs befinden. Führungen durch die ehemalige Zentrale Hinrichtungsstätte der DDR, an dem die letzten Hinrichtungen auf deutschem Boden stattfanden Zur Museumsnacht besteht wieder die seltene Möglichkeit, die originalen Räume der ehemaligen Zentralen Hinrichtungsstätte der DDR zu besichtigen. Das Bürgerkomitee Leipzig bietet von 18.00 bis 24.00 Uhr laufend Führungen an, in denen u.a. über die
damaligen Vollstreckungsabläufe informiert wird. In der ehemaligen Hausmeisterwohnung der damaligen
Strafvollzugseinrichtung Alfred-Kästner-Straße in der Leipziger Südvorstadt befand sich von 1960 bis 1981 die zentrale Hinrichtungsstätte der DDR. Nach aktuellem Forschungsstand wurden hier insgesamt 64 von DDR-Gerichten zum Tode verurteilte Menschen unter strengster Geheimhaltung hingerichtet; bis 1967 mit dem Fallbeil, danach durch „unerwarteten Nahschuss in das Hinterhaupt“.
Die Toten wurden anschließend zum Leipziger Südfriedhof gebracht; dort wurden sie als namenlose „Anatomieleichen“ verbrannt und anonym verscharrt. Auf den amtlichen Dokumenten wurden Todesursache und Sterbeort gefälscht, um sämtliche Hinweise auf die wahren Todesumstände und den Ort zu verschleiern. Unabhängig vom eigentlichen Tatvorwurf wurden alle in Leipzig Hingerichteten Opfer einer nicht rechtsstaatlichen Justiz, die unter direkter Anleitung der SED bzw. des MfS stand. Oft standen die Urteile schon vor der Gerichtsverhandlung fest. Erst Ende 1987 wurde die Todesstrafe in der DDR
abgeschafft.
Das Bürgerkomitee Leipzig e. V. setzt sich seit vielen Jahren für den Erhalt dieses justizgeschichtlich bedeutsamen Ortes ein, an dem die letzten Hinrichtungen auf deutschem Boden stattfanden. Momentan kann die denkmalgeschützte Stätte nur zur Museumsnacht und am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Eine einmalige Gelegenheit, diese Führung durch die ehemalige Zentrale Hinrichtungsstätte der DDR mit einer professionellen Gebärdensprachverdolmetschung zu erleben, besteht an diesem Abend gegen 19.30 Uhr für eine Gruppe Gehörloser, der sich auch weitere Personen anschließen können, die eine solche Übersetzung in die Gebärdensprache benötigen.
Auch der zur Leipziger Gedenkstätte gehörende Stasi-Bunker in Machern hat zur Museumsnacht für Neugierige und Interessierte geöffnet, allerdings schon ab 17.00 und dafür nur bis 23.00 Uhr. Zu besichtigen sind das etwa 5,2 Hektar große Gesamtgelände mit allen erhaltenen Bauten und Anlagen sowie das 1.500 Quadratmeter umfassende Bunkerinnere. Während der Rundgänge wird vermittelt, wie die Versorgungssysteme funktionierten, DDR-weit Nachrichtenkontakte zustande gekommen wären und welche Überlebensstrategien die Staatssicherheit für einen Atomschlag entwickelt hatte. Den heimlichen und ausufernden Planungen der Stasi für den Ernstfall kann man so buchstäblich auf den Grund gehen.
Der Führungsbunker für den Leipziger Stasi-Chef und seinen Stab wurde 1974 fertiggestellt und bis zu seiner Entdeckung im Dezember 1989 ständig funktionsbereit gehalten. Rund um die Uhr sicherten Hunde und unauffällige Wachposten das geheime Objekt, das versteckt inmitten des beliebten Naherholungsgebietes „Lübschützer Teiche“ gebaut und als Ferienobjekt getarnt wurde. Mit regelmäßigen Übungen für den Konfliktfall, bis ins Detail ausgearbeiteten Notfallplänen und Dienstanweisungen
versuchte das MfS um jeden Preis und in jeder Lage den Führungsanspruch der SED zu sichern – bis hin zu geplanten Isolierungslagern, in die man im Krisenfall namentlich erfasste Oppositionelle sperren wollte.
Im ehemaligen Kommandantenwohnhaus der Bunkeranlage wird die Plakat- und Fotoausstellung „Voll der Osten. Leben in der DDR“ präsentiert. In den 1980er Jahren fotografierte Harald Hauswald in Ost-Berlin was ihm vor die Linse kam: kleine Szenen des Alltags, einsame und alte Menschen, verliebte junge Pärchen, Rocker, Hooligans und junge Leute, die sich in der Kirche für Freiheit einsetzten. Mit diesen Angeboten in Machern können die Besucher in die Museumsnacht starten. Die Fahrtberechtigung auf der Eintrittskarte der Museumsnacht gilt nicht bis zum Bahnhof Machern. Eine öffentliche Verkehrsanbindung vom Bahnhof
Machern zum Bunker existiert nicht. Das Museum, das sich 20 km östlich von Leipzig befindet, kann am besten mit dem PKW über die B6 erreicht werden. Der Fußweg vom Parkplatz des Naherholungsgebietes „Lübschützer Teiche“ zum Museum ist unbeleuchtet. Nach Anbruch der Dunkelheit bitte Taschenlampe und warme Kleidung mitbringen!
Kontakt:
Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ mit dem Museum im Stasi-Bunker
Tel.: 0341 9612443
mail@runde-ecke-leipzig.de

