„Hoheneck“ – Neue Publikation in der Reihe der Sächsischen Landesbeauftragten
04.02.26
Hoheneck gilt als eines der berüchtigtsten Gefängnisse der DDR. Zwischen 1950 und 1989 waren dort rund 24.000 Frauen inhaftiert, etwa 8.000 von ihnen aus politischen Gründen. Mit dem nun erschienenen Band „Hoheneck. Die Geschichte des zentralen Frauengefängnisses in der DDR“ legt der Historiker Sebastian Lindner erstmals eine umfassende Gesamtdarstellung dieses zentralen Haftortes vor.
Im 21. Band der Schriftenreihe der Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur untersucht Lindner detailliert die Entwicklung des Gefängnisses Hoheneck, die Zusammensetzung der Häftlingsgesellschaft, die Verurteilungspraxis sowie die sich wandelnden Haftbedingungen über nahezu vier Jahrzehnte DDR-Geschichte hinweg. Im Mittelpunkt steht der Haftalltag der Frauen, der von systematischer Entrechtung, körperlicher Auszehrung und harter Akkordarbeit geprägt war. Auf der Grundlage umfangreicher Archivrecherchen gewährt der Autor beklemmende Einblicke in das Zusammenspiel von Wachpersonal, Anstaltsleitung und Staatssicherheit. Deutlich wird, mit welcher Härte die Staatsmacht gegen tatsächliche oder vermeintliche Gegnerinnen vorging, wie sie die Arbeitskraft der Inhaftierten rücksichtslos ausbeutete und diese Praxis zugleich ideologisch als „Erziehung“ legitimierte.
Das Buch enthält historisches Bildmaterial, das den Blick der Machthaber auf den Haftort widerspiegelt. Archivdokumente zeigen anschaulich, wie der Haftalltag organisiert war. Tabellen und Grafiken zu Belegungszahlen, Haftdauer und Haftgründen vermitteln darüber hinaus grundlegendes Wissen über die Zusammensetzung der Häftlingsgesellschaft und ermöglichen eine differenzierte Einordnung der politischen und sozialen Dimensionen des Frauengefängnisses Hoheneck.
„Seit Sommer 2024 erinnert eine Gedenkstätte am historischen Ort an das ehemalige Frauengefängnis Hoheneck. Das Buch von Sebastian Lindner ergänzt die Gedenkstätte um eine umfassende historische Einordnung. Es zeigt eindrücklich, mit welcher Härte und Menschenverachtung der DDR-Staat unschuldige Frauen entrechtete und ausbeutete. Ich würde mir wünschen, dass auch diejenigen, die heute verklärt auf die DDR zurückschauen, einen Blick in dieses Buch werfen würden“, erklärt Dr. Nancy Aris, Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
Pressekontakt:
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