Gedenken in Leipzig am 27. Januar und Ausstellungseröffnung „Die Verleugneten“ im Neuen Rathaus
28.01.26
Am 27. Januar 2026 nahm die Stiftung Sächsische Gedenkstätten in Leipzig an verschiedenen Gedenkveranstaltungen zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus teil. Das Leipziger Programm war bewusst dezentral angelegt. Am Schwanenteich wurde am frühen Abend der Opfer der Verfolgung der Sinti und Roma gedacht. Die Veranstaltung fand am Denkmal „Geschlagener“ statt. In Abtnaundorf stand das Gedenken am Denkmal für die Opfer des „Massakers von Abtnaundorf“ im Mittelpunkt, bei dem kurz vor Kriegsende Häftlinge ermordet wurden. Am Abend wurde im Neuen Rathaus die Wanderausstellung „Die Verleugneten. Opfer des Nationalsozialismus 1933–1945–heute“ eröffnet.Zur Eröffnung der Ausstellung in der Unteren Wandelhalle des Neuen Rathauses in Leipzig hatten die Stadt Leipzig gemeinsam mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig, dem Lern- und Gedenkort Riebeckstraße 63 sowie der Stiftung Sächsische Gedenkstätten eingeladen.

Besonders eindrücklich war der Beitrag von Andres Zerbst, dem Enkel von Rudi Zerbst. Rudi Zerbst lebte und arbeitete als Künstler in Leipzig. Weil er aufgrund eines Herzleidens keine schweren körperlichen Arbeiten verrichten konnte und sich mit Porträtzeichnungen in Gastwirtschaften über Wasser hielt, geriet er zunehmend ins Visier der NS-Behörden. Er wurde verhaftet und in das KZ Sachsenhausen gebracht. Im September 1941 starb er in einer Arrestzelle im KZ Buchenwald. Der persönliche Blick auf diese Biografie machte die konkreten Folgen der Stigmatisierung und Verfolgung „abweichenden“ Lebens sichtbar – und die Wirkungsgeschichte in Familien bis heute.
Die Ausstellung „Die Verleugneten“ rückt eine Opfergruppe in den Mittelpunkt, die lange marginalisiert und aus dem öffentlichen Gedenken verdrängt blieb: Menschen, die im Nationalsozialismus als vermeintlich „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ stigmatisiert, verfolgt, inhaftiert und vielfach ermordet wurden. Zugleich thematisiert die Ausstellung das lange Nachwirken nach 1945, als Anerkennung und Entschädigung in vielen Fällen verweigert wurden – und die Unrechtserfahrungen der Betroffenen über Jahrzehnte „verleugnet“ blieben.

Im Verlauf des Abends wurde zugleich deutlich, dass Ausgrenzung und Stigmatisierung von Menschen, die nicht der vermeintlichen „Norm“ entsprechen, auch in der Gegenwart fortwirken. Die Ausstellung, sichtbar mitten in der Stadt, lädt dazu ein, sich nicht nur mit dem historischen Kontext von Verfolgung und Gewalt auseinanderzusetzen, sondern auch eigene Muster, Zuschreibungen und Schubladen kritisch zu hinterfragen. Führungen und ein umfangreiches Begleitprogramm zur Ausstellung werden vom Riebeckstraße 63 e. V. und der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig angeboten.
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten dankt allen beteiligten Partnern und Mitwirkenden für die Zusammenarbeit im Rahmen der Ausstellungsstation in Leipzig!


Kontakt
Sven Riesel
Stellvertretender Geschäftsführer | Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0351 4695545
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