Schwerer Diebstahl im Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis
25.09.26
In der Dauerausstellung des Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz kam es zu einem schweren Diebstahl. Nach Angaben des Trägervereins wurden im gesamten Ausstellungsbereich zur NS-Diktatur Manipulationsversuche festgestellt. Offenbar wurde versucht, mehrere Ausstellungsobjekte zu entwenden. Unter anderem wurde aus dem Kontextbereich zur NS-Diktatur ein sogenannter „Judenstern“ samt Rahmung gestohlen.
Bei dem gestohlenen Exponat handelt es sich um ein Original aus dem Nachlass von Ernst Sander, der während der nationalsozialistischen Verfolgung aufgrund seiner jüdischen Herkunft im Kaßberg-Gefängnis inhaftiert war. Sein Schicksal wird in der Dauerausstellung des Lern- und Gedenkorts im früheren Hafttrakt B vorgestellt. Der Verlust betrifft damit nicht nur ein historisches Objekt, sondern ein persönliches Zeugnis der Verfolgungsgeschichte.
Der Trägerverein, das Gedenkstätten-Team sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zeigen sich tief betroffen. Auch Hermann Brudner, Sohn des Holocaust-Überlebenden Max Brudner, dessen Biografie in der Dauerausstellung ebenfalls vorgestellt wird, reagierte entsetzt auf den Vorfall. Sein Vater war 1938 ohne Urteil im Kaßberg-Gefängnis inhaftiert und anschließend in verschiedene Konzentrationslager verschleppt worden.
Hanka Kliese, Vorstandsmitglied des Trägervereins, betont die Bedeutung der Objekte für die Erinnerung an individuelle Schicksale: „Jedes unserer Objekte steht mindestens symbolisch für einen Leidensweg.“ Gerade deshalb sei der Diebstahl ein schwerer Eingriff in die Arbeit des Lern- und Gedenkorts und in das Gedenken an die Opfer der Shoah.
Die wissenschaftliche Leiterin des Lern- und Gedenkorts, Dr. Steffi Lehmann, bittet um Unterstützung bei der Klärung des Verbleibs des Exponats: „Wir wollen dieses wertvolle Exponat zurückbekommen.“ Der Diebstahl sei ein Angriff auf die Erinnerungskultur – gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte und historisches Bewusstsein besonders geschützt und gestärkt werden müssten.
Der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis hat Strafanzeige gestellt und dabei auf den Verdacht einer politisch motivierten Straftat hingewiesen. Wer Beobachtungen gemacht hat oder Hinweise zum Verbleib des Exponats geben kann, wird gebeten, sich bei der Polizei oder direkt beim Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis zu melden:
Telefon: 0371 5248 6880
E-Mail: info@gedenkort-kassberg.de
oder: Paul.Strelow@gedenkort-kassberg.de
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten verurteilt den Diebstahl und schließt sich dem Appell des Lern- und Gedenkorts an. Die Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung, die Bewahrung persönlicher Zeugnisse und der Schutz historischer Ausstellungen sind gemeinsame Aufgaben, die Aufmerksamkeit, Solidarität und Unterstützung erfordern.
Zur vollständigen Meldung des Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis e. V.: https://gedenkort-kassberg.de/schwerer-diebstahl-angriff-auf-unsere-erinnerungskultur/
Sven Riesel
Stellvertretender Geschäftsführer Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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