Buchlesung „Jenseits des Kindeswohls“ in Erfurt: Betroffene berichten über Erfahrungen in den Haasenburg-Heimen
Datum:
Veranstalter:
Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof TorgauOrt:
Offene Arbeit Erfurt, Allerheiligenstraße 9, 99084 Erfurt
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten teilt eine Veranstaltung der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau:
Anlässlich des Weltkindertages findet am 22. September 2026 um 19.30 Uhr in der Offenen Arbeit Erfurt eine Lesung aus dem Buch „Jenseits des Kindeswohls – junge Menschen aus den Haasenburg-Heimen erzählen“ statt. Betroffene sowie die Herausgeberin und der Herausgeber Kaija Kutter und Michael Lindenberg lesen aus dem Band und kommen mit dem Publikum ins Gespräch.
Das Buch versammelt Texte von 16 jungen Menschen und ihren erschütternden Erfahrungen in den „Haasenburg-Heimen“ zwischen 2004 und der Schließung der Einrichtungen im Jahr 2013. Die Heime arbeiteten zeitweise mit geschlossener Unterbringung und einem strikten Stufenmodell. Die Berichte der Betroffenen dokumentieren autoritäre Erziehungspraktiken, Isolation, Zwang und körperliche Gewalt.
„In den ersten 3 Monaten ist man im Zimmer und hat keinen Kontakt zu den anderen Jugendlichen. Wenn der Erzieher in den Raum tritt, musste man in die Mitte des Raumes treten“ (Michelle). „Das erste Mal fixiert wurde ich in Jessen, weil ich keinen Erkenntnissport machen wollte. Aber was ist Erkenntnissport? Erkenntnissport ist Strafsport“ (Julia). Lange fanden die Erfahrungen und Beschwerden der dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen kaum Gehör.
Mit „Jenseits des Kindeswohls“ stehen ihre Perspektiven im Mittelpunkt. Das Buch, aus dem gelesen wird, ist die erste authentische Veröffentlichung zu diesem wohl größten Jugendhilfeskandal nach der Wiedervereinigung. Die Lesung am Weltkindertag nimmt zugleich die Frage in den Blick, wie die Rechte von
Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Jugendhilfe geschützt werden können. Sie schafft Raum, um über Macht, Zwang und Gewalt in der Heimerziehung sowie über die Verantwortung von Jugendhilfe und Gesellschaft zu diskutieren.
Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau
Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau war die einzige geschlossene Heimeinrichtung der
DDR. Insgesamt durchliefen von 1964 bis 1989 4.046 Jugendliche die sogenannte Endstation im
Erziehungssystem der DDR.
Die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof (GJWH) Torgau ist bundesweit die einzige Gedenkstätte, die eine Auseinandersetzung mit den repressiven Machtstrukturen innerhalb des Bildungs- und Erziehungsapparats der DDR am historischen Ort ermöglicht. Sie steht als Symbol für das gesamte unmenschliche Strafsystem der DDR-Spezialheime, durch das zwischen 1949 und 1989 ca. 135.000 Kinder und Jugendliche gingen. Die Gedenkstätte engagiert sich u.a. im Thüringer Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung und setzt sich gegen freiheitsentziehende Maßnahmen und geschlossene Unterbringung in der Jugendhilfe ein.
Veranstaltungsinformationen
Buchlesung „Jenseits des Kindeswohls – junge Menschen aus den Haasenburg-Heimen
erzählen“
Dienstag, 22. September 2026
Einlass: 19 Uhr | Beginn: 19.30 Uhr
Offene Arbeit Erfurt , Allerheiligenstraße 9, Erfurt
Eintritt frei
Die Veranstaltung wird vom Thüringer Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung
organisiert.
Eine Kooperation mit:
Thüringer Aktionsbündnis gegen Geschlossene Unterbringung, Der Kinderschutzbund Landesverband Thüringen e. V., Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, Offene Arbeit Erfurt, Ernst-Abbe-Hochschule Jena, Fachbereich Sozialwesen, Erfurter Zentrum für Sprachen und Integration (EZSI)
Weitere Informationen zum Buch bietet die Internationale Gesellschaft für erzieherische
Hilfen (IGfH).
Kontakt:
Tel: 03421 714203
Manuela Rummel: m.rummel@jugendwerkhof-torgau.de
Juliane Weiß: j.weiss@jugendwerkhof-torgau.de
www.jugendwerkhof-torgau.de
www.blackbox-heimerziehung.de
Instagram: ddr_heimerziehung_aufarbeiten

