Virtuelles Gedenkbuch für Opfer der NS-Krankenmorde der Anstalt Konradstein/Kocborowo
11.06.26
In einem gemeinsamen Projekt wollen das Deutsch-Polnische Haus sowie die Gedenkstätten Großschweidnitz und Pirna-Sonnenstein ein virtuelles Gedenkbuch für die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde der Anstalt Konradstein/Kocborowo erstellen.
Die 1895 gegründete westpreußische Anstalt Konradstein gehörte seit dem Ende des Ersten Weltkrieges zum polnischen Staat. Nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 wurde die Anstalt Kocborowo dem Deutschen Reich „eingegliedert“ und hieß wieder Konradstein.
Bereits im Herbst 1939 begannen Massenerschießungen von Patientinnen und Patienten durch den SS-Wachsturmbann Eimann. Etwa 1700 Menschen fielen den Morden im Wald von Spegawsken/Szpęgawsk zum Opfer. Die überlebenden und neu aufgenommen Patienten wurden 1941 in die zentral organisierten Krankenmorde einbezogen. Am 22. Juli 1941 verließ ein Transport mit etwa 500 Menschen Konradstein in Richtung Sachsen. Die meisten wurden in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ermordet. Weitere fielen den dezentralen Krankenmorde vor allem in Großschweidnitz zum Opfer.
Die Anstalt in Konradstein blieb die wichtigste psychiatrische Einrichtung im Gau Danzig-Westpreußen. Sie wurde zu einem Ort der „Kindereuthanasie“. Wahrscheinlich wurden auch erwachsene Patientinnen und Patienten durch überdosierte Medikamente und Hunger ermordet.
Ziel des Projektes ist es, die Namen aller Konradsteiner Opfer zu ermitteln. Sie sollen in einem virtuellen Gedenkbuch zugänglich gemacht werden, um ein namentliches Gedenken zu ermöglichen. Das Gedenkbuch wird über die Webseite der Stiftung Sächsische Gedenkstätten abrufbar sein und auch ausgewählte Biografien und weiterführende Informationen enthalten.
Sie wollen mehr über das Projekt wissen oder sind selbst auf der Suche nach Angehörigen, deren Spur sich in Konradstein verliert? Sprechen Sie uns gern an.
Kontakt
Hagen Markwardt (Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, Öffentlichkeitsarbeit)
Tel. 03501 710963
presse.pirna@stsg.de

