Fakten und Zahlen
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten auf einen Blick
(Stand: 10.09.2010)
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Erinnern und Lernen an historischen Orten
Zweck der Stiftung ist es, historische Orte im Freistaat Sachsen, die an die Opfer politischer Verfolgung und Gewaltverbrechen sowie an Opposition und Widerstand während der nationalsozialistischen Diktatur und der kommunistischen Gewaltherrschaft in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR erinnern, zu erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hierfür wird die Stiftung selbst oder in Form der Unterstützung entsprechender Initiativen tätig.
Die Unterschiede zwischen den Diktaturen in qualitativer und quantitativer Hinsicht werden herausgearbeitet und beachtet. Eine Hierarchisierung in Opfer erster und zweiter Klasse ergibt sich aber daraus gerade nicht, wohl aber die Kontextualisierung individuellen Leids.
Die Gedenkstätten und Arbeitsstellen der Stiftung wollen Wissen über das historische Geschehen an den authentischen Orten und über seine Ursachen und Folgen vermitteln, Mitgefühl für die Opfer wecken und für aktuelle Gefährdungen der heutigen Demokratie sensibilisieren.
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten ist eine Stiftung Öffentlichen Rechts mit Sitz in Dresden. Sie wurde am 15. Februar 1994 per Kabinettsbeschluss begründet. Am 28. Februar 2003 verabschiedete der Sächsische Landtag das Gesetz zur Errichtung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten. Geschäftsführer der Stiftung ist Siegfried Reiprich.
Orte und Themen
Folgende Gedenkstätten werden gegenwärtig in eigener Trägerschaft von der Stiftung unterhalten:
In der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein wird der in den Jahren 1940/41 im Rahmen der nationalsozialistischen „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ in einer Gaskammer ermordeten 15 000 geistig behinderten und seelisch kranken Menschen sowie Häftlinge aus Konzentrationslagern gedacht.
Die Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain bei Riesa erinnert an die Opfer des während der Zeit des Nationalsozialismus betriebenen Kriegsgefangenenlagers Zeithain zwischen 1941 und 1945. Sie bezeugt vor allem das Massensterben von 25 000 sowjetischen Kriegsgefangenen in diesem Lager. Zugleich wird hier der italienischen, serbischen, britischen, französischen und polnischen Gefangenen des Lagers gedacht.
Die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden ist Gedenkort für die Opfer der Justizverbrechen des NS-Staates, der sowjetischen Militärjustiz und der DDR-Strafjustiz. Das ehemalige Landgericht war während des „Dritten Reiches“ Gerichtsort und Hinrichtungsstätte der NS-Justiz, die hier etwa 1 300 Todesurteile vollstrecken ließ. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges diente es der sowjetischen Geheimpolizei bzw. der sowjetischen Militärjustiz, aber auch deutschen Justizbehörden, als Untersuchungsgefängnis und Gerichtsort. Bis Ende 1956, als die DDR-Justiz das letzte Todesurteil am Münchner Platz vollstrecken ließ, wurde das Gebäude als Gerichtsort, Haftanstalt und Hinrichtungsstätte genutzt.
Das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Wehrmachtjustiz im Zweiten Weltkrieg, die mit den beiden Militärgefängnissen „Fort Zinna“ und „Brückenkopf“ und dem Reichskriegsgericht ab 1943 ihr Zentrum in Torgau hatte. Es dokumentiert das Schicksal der nach dem Ende des Krieges bis 1948 in den Torgauer Speziallagern Nr. 8 und Nr. 10 von der sowjetischen Geheimpolizei inhaftierten Deutschen und Sowjetbürger. Darüber hinaus widmet es sich den Menschen, die zwischen 1950 und 1989 aus politischen Gründen in der DDR-Strafvollzugsanstalt Torgau Fort Zinna gefangen gehalten wurden.
Die Gedenkstätte Bautzen erinnert an die Opfer beider Bautzener Haftanstalten: der ehemaligen Landesgefangenenanstalt Bautzen I („Gelbes Elend“) – nationalsozialistisches Zuchthaus, sowjetisches Speziallager und eine der gefürchteten Strafvollzugseinrichtungen der DDR – sowie der Haftanstalt Bautzen II, von 1956 bis 1989 Gefängnis für „Staatsverbrecher“ mit besonderen Zugriffsrechten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR.
Institutionell gefördert werden darüber hinaus die Gedenkstätten Bautzner Straße Dresden (ehemalige U-Haftanstalt der Bezirksverwaltung Dresden des MfS), die Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ Leipzig (ehemalige Bezirksverwaltung Leipzig des MfS) mit dem Museum im Stasi-Bunker Machern sowie das Bautzen-Komitee e. V. Gefördert werden des Weiteren die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, die Zwangsarbeitergedenkstätte in Leipzig sowie Archive der DDR-Bürgerrechtsbewegung (Umweltbibliothek Großhennersdorf, Archiv Bürgerbewegung Leipzig und Martin-Luther-King-Zentrum Werdau).
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten unterhält die Dokumentationsstelle Widerstands- und Repressionsgeschichte in der NS-Zeit und SBZ/DDR. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Klärung des Schicksals von sowjetischen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges sowie mit der Erforschung und Dokumentation des Verbleibs von Deutschen, die nach Ende des Zweiten Weltrkrieges von der sowjetischen Besatzungsmacht verfolgt wurden.
Arbeitsfelder
* Erhalt und Erschließung der materiellen Hinterlassenschaften und Zeugnisse des Unrechts an den authentischen Orten (z. B. Gebäudereste, Gegenstände aus dem Haftalltag und Dokumente)
* würdige memoriale Gestaltung der Gedenkorte (z. B. Mahnmale oder Gedenktafeln)
* Präsentation wissenschaftlich begründeter Dauer- und Wechselausstellungen
* Bereitstellung vielfältiger pädagogischer Angebote (z. B. Führungen, Projektarbeit, Archivarbeit, Vermittlung von Zeitzeugen) und Informationen, insbesondere für Jugendliche
* Veranstaltungen, Veröffentlichungen und andere Formen der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit
* enge Zusammenarbeit mit Opferverbänden und Aufarbeitungsinitiativen
* angewandte wissenschaftliche Forschung und Dokumentation
Stiftungsgremien
Der Stiftungsrat berät und beschließt zu allen grundsätzlichen Angelegenheiten der Stiftung. Ihm gehören 15 Mitglieder an. Vorsitzende ist die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Frau Prof. Sabine von Schorlemer.
Der Stiftungsbeirat erarbeitet Vorschläge und Empfehlungen für die Arbeitsgebiete der Stiftung. Ihm gehören bis zu 20 Mitglieder an, die von im Sinne des Stiftungszwecks tätigen Opferverbänden, Aufarbeitungsinitiativen, Kirchen und Religionsgemeinschaften entsandt worden sind. Vorsitzender ist Herr Tobias Hollitzer.
Der Wissenschaftliche Beirat erarbeitet Empfehlungen zur Arbeit der Stiftung und begutachtet die von der Stiftung erstellten Konzeptionen. Er besteht aus fünf Sachverständigen. Sein Sprecher ist Herr Prof. Dr. Joachim Scholtyseck (Institut für Geschichtswissenschaft an der Universität Bonn).
Zahlen
Etat 2010
Einnahmen (Land/Bund/eigene Einnahmen): 2.574.800 EUR
Ausgaben für Gedenkstätten in eigener Trägerschaft: 2.057.800 EUR
Ausgaben für Förderung freier Träger: 517.000 EUR
Ausgaben für sonstige von Bund oder Land geförderte Projekte: 248.000 EUR
Zahl der kraft Stellenplan angestellten Beschäftigten
22
Besuche 2009 (ohne institutionell geförderte Einrichtungen in freier Trägerschaft)
ca.132 000
In Führungen und sonstigen Projekten betreute Schüler 2009
ca. 11 800
Bislang veröffentlichte Publikationen
55
Durchschnittliche Anzahl der monatlichen eindeutigen Besucher der Stiftungswebsite http://www.stsg.de und der Website der Dokumentationsstelle http://www.dokst.de
ca. 10 000 und ca. 14 000
Kontakt
Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft
Dülferstr. 1
01069 Dresden
Tel.: +49 351 46955-42
Fax: +49 351 46955-41
E-Mail: info@stsg.smwk.sachsen.de
www.stsg.de

