Filmvorführungen
Führungen, Projekttage und Seminare können durch Filmvorführungen zu den Bereichen NS-Militärjustiz, Sowjetische Speziallager und DDR-Strafvollzug ergänzt werden. Die Filmvorführungen dauern ca. 45 Minuten. Daran schließt sich eine Diskussion an.
Filmauswahl (weitere Filmangebote nach Absprache)
Deserteure unterm Hakenkreuz. Leben mit der Fahnenflucht.
Dokumentarfilm von Hauke Wendler, NDR 2006, 43 Minuten
Die NDR Dokumentation zeichnet das Leben und Leiden von drei jungen Soldaten nach, die nicht mehr mitmachen wollten, die ihren Eid auf Führer, Volk und Vaterland gebrochen haben. Drei Beispiele, die verdeutlichen, was ein Leben mit der Fahnenflucht bedeutete. Auch nach Kriegsende galten Deserteure in Deutschland als vorbestraft. Dass die Urteile gegen Deserteure 2002 aufgehoben wurden, war für die Überlebenden eine späte Genugtuung. Ein Triumph, den die meisten der ehemaligen Deserteure nicht mehr erleben durften.
Ein deutscher Held. Die Kapitulation des Botho Henning Elster 1944
Dokumentarfilm von Barbara Dickenberger und Mike Conant, Arte / HR 2003, 59 Minuten
Unter der Führung von Generalmajor Botho Henning von Elster kam es im September 1944 an der Loire zur größten Massenkapitulation an der Westfront. Entgegen allen Befehlen der Wehrmachtführung führte er etwa 20.000 Mann in Gefangenschaft und bewahrte damit vermutlich Tausende deutscher Soldaten und französischer Zivilisten vor dem Tod. Das Reichskriegsgericht verurteilte ihn dafür in Torgau in Abwesenheit zum Tode. Elster kam zunächst in amerikanische, später in britische Kriegsgefangenschaft, wo dem »Verräteroffizier« der Hass mancher seiner Mitgefangenen entgegenschlug.
In Gesprächen mit Zeitzeugen aus der Zivilbevölkerung, Mitgliedern der Résistance, mit Historikern und Familienangehörigen zeichnet der Dokumentarfilm ein Porträt des Offiziers und sucht nach den Motiven eines Mannes, der die Grenzen des Gehorsams erreicht hatte.
Kindheit hinter Stacheldraht
Dokumentarfilm von Hans-Dieter Rutsch, WDR 2000, 45 Minuten
Der Film erzählt von Kindern, die zwischen 1945 und 1950 in sowjetischen Speziallagern geboren wurden. Nach Auflösung der Speziallager wurden sie zunächst mit ihren Müttern in das Frauengefängnis Hoheneck überstellt. Dort wurden die Kinder von ihren Müttern getrennt und wuchsen in DDR-Kinderheimen auf. Im Zentrum des Film steht das Schicksal von Alexander Latotzky. Seine Mutter Ursula Hoffman wurde verhaftet, weil sie in Berlin einen Sowjetsoldaten wegen einer Vergewaltigung angezeigt hatte. In der Haft im Speziallager Nr. 10 in Torgau verliebte sie sich in einem sowjetischen Wachmann und wurde von ihm schwanger. Vor der Geburt wurde sie in das Speziallager Bautzen verlegt, wo Sohn Alexander zur Welt kam. 50 Jahre später gelang es ihm, seinen Vater in Russland ausfindig zu machen. Der Film zeigt auch ihre erste Begegnung.
4 Schüler gegen Stalin. Eine Nachkriegsgeschichte aus Altenburg
Dokumentarfilm von Steffen Lüddemann und Hanno Brühl, 2007, 45 Minuten
Am Abend des 20. Dezember 1949 versammeln sich in einer Wohnung in Altenburger vier junge Leute: Jörn-Ulrich Brodel, Ulf Uhlig, Joachim Näther und Gerhard Schmale. Sie besuchen die 11. Klasse der »Karl-Marx-Oberschule« und gehören einem oppositionellen Zirkel in ihrer Schule an. Für diesen Abend planen sie eine wagemutige Aktion - eine illegale Radiosendung aus Anlass des 70. Geburtstages von Josef Stalin. Pünktlich zur Festansprache von DDR-Präsident Wilhelm Pieck beginnen die vier Schüler mit ihrem selbst gebastelten Sender ein eigenes Programm: im Gegensatz zu den öffentlichen Lobpreisungen bezeichnen sie Stalin als »Massenmörder« und »Diktator« und beschuldigen ihn, Millionen Unschuldige im GULAG umgebracht zu haben. Auch in der DDR, so ihre Botschaft, säßen zehntausende Unschuldige in den vom russischen Geheimdienst NKWD wieder genutzten ehemaligen Konzentrationslagern ein.
Drei Monate später kam ihnen die Staatssicherheit auf die Spur. Sie wurden verhaftet und von einem sowjetischen Militärtribunal verurteilt, Joachim Näther, der intellektuelle Kopf der Gruppe, zum Tod durch Erschießen. Er wurde 1950 in Moskau hingerichtet. Der damals 17-jährige Gerhard Schmale, der den Sender gebaut hatte, wurde zu zehn Jahren »Besserungsarbeitslager« verurteilt, die DDR-Strafvollzugseinrichtung Torgau war eine seiner Haftstationen.
Gegen die Grenze. Das Leben des Michael Gartenschläger
Dokumentarfilm von Alexander Dittmer und Ben Kempas, RBB 2004, 44 Minuten
Michael Gartenschläger war als Jugendlicher von 1961 bis 1965 im DDR-Strafvollzug in Torgau inhaftiert. 1976 wurde er an der deutsch-deutschen Grenze erschossen.
Wer ist der Mann, der in dieser Nacht sein Leben riskierte und verlor? Dieser Frage gehen Alexander Dittner und Ben Kempas in ihrem Film nach.
Michael Gartenschläger wächst in Strausberg bei Berlin auf. Als der Mauerbau beginnt, ist er siebzehn Jahre alt. Er und seine Freunde sind empört, dass ihnen nun der Weg zu West-Berliner Kinos und Plattenläden versperrt wird. Sie malen Parolen auf Häuserwände. Eine LPG-Scheune wird angezündet. Drei Tage später werden sie festgenommen. Es folgt ein Schauprozess gegen die Jugendlichen.
Der »Staatsverbrecher« Gartenschläger erhält lebenslänglich. Nach zehn Jahren Haft in Torgau und Brandenburg-Görden wird er schließlich von der Bundesrepublik freigekauft. Doch seine angestaute Wut, sein gewachsener Hass auf das SED-Regime lässt ihm auch im Westen keine Ruhe. Er betätigt sich als Fluchthelfer.
Dann hört Gartenschläger von den Selbstschussanlagen an der DDR-Grenze, deren Funktionsweise im Westen unbekannt ist. Er beschließt, einen Automaten zu holen und mit dieser Aktion auf das Unrecht hinzuweisen. Die Demontage wird eine »Spiegel«-Geschichte. Und die Stasi hat nur ein Ziel: weitere Demontagen zu unterbinden - den Täter zu »liquidieren«. Kurze Zeit später stirbt Gartenschläger im Kugelhagel von Stasi-Schützen. Vor 20 Jahren baute die DDR die letzten SM-70 ab.
Die Filmemacher fanden bislang unbekannte Dokumente, darunter auch Original-Tonbänder eines Interviews mit Gartenschläger, in denen dieser über seine Taten und Motive Auskunft gibt.
»Revolte« am Ostseestrand. Die wahre Geschichte der Glatzkopfbande.
Dokumentarfilm von Inge Bennewitz und Jürgen Ast, MDR 2001, 45 Minuten
Sommer 1961. Auf den Campingplätzen an der DDR-Ostseeküste herrscht Urlaubsstimmung. Jugendliche feiern ausgelassen, machen Musik, trinken Bier, tanzen Rock'n Roll. Mit dabei sind fünf Jugendliche, die sich nach ihrem Idol Yul Brunner eine Glatze scheren ließen -»westliche Unkultur« und »Dekadenz« urteilt der Wirt des Bierzeltes und alarmiert die Volkspolizei. Als diese die Jugendlichen abführt, umstellen einige hundert Camper die Wachstelle der Volkspolizei und äußern lautstark ihren Unmut über diese Aktion. Die Situation eskaliert, Einsatzkommandos beenden den »Aufruhr« mit brutalen Mitteln.
Mehrere junge Männer werden verhaftet. »Landfriedensbruch« und »staatsgefährdende Gewaltakte« lauten die Anklagepunkte. Den Jugendlichen wird vorgeworfen, sie hätten nach dem »Beispiel der faschistischen Provokation vom 17. Juni 1953« einen Putsch anzetteln wollen. Zwei Schauprozesse, die zur propagandistischen Kampagne gegen westliche Jugendkultur und zur Rechtfertigung des Mauerbaus genutzt werden, münden in Urteile über insgesamt 27 Jahre Zuchthaus. Als »Rädelsführer« einer vom Westen gesteuerten »Glatzkopfbande« wird Hartmut Behle hingestellt und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Bis zu seinem Freikauf 1964 wurde in der Strafvollzugsanstalt Torgau Fort-Zinna inhaftiert.
Bald nach den Prozessen dreht die DEFA den Spielfilm »Die Glatzkopfbande«, der die Ereignisse im Sinne der Schauprozesse darstellt, die Jugendlichen als brutale Schläger darstellt und die Legende eines faschistischen Putschversuches festigt.
Die Dokumentation von Jürgen Ast und Inge Bennewitz lässt erstmals die damals Verurteilten zu Wort kommen. Sie erzählen über ihr erlittenes Schicksal, über Stasi-Knast, Schauprozesse und die Folgen. Umfangreiches Archivmaterial und Wochenschauberichte beleuchten die Hintergründe und zeitlichen Bedingungen, in denen die »Glatzkopfbande« in die Fänge der DDR-Justiz geriet.
