19.10.09
Manfred Spies
Meine Haftzeit 1962-1965
Hallo Kameraden! Nach meinerStasi-U-Haft im August 1961,kam ich nach meiner Verurteilung(7 Jahre § 14 STEG)im Januar 1962 nach Torgau.Nach einigen Tagen auf der Isolierstation wurde ich zum KFZ-Zubehörwerk Meissen eingeteilt.Ich arbeitete dort in der Reparaturschlosserei im Einschichtsystem.Es kam aber häufig vor,daß ich Nachts geweckt wurde,wenn eine Havarie an den Drehmaschinen oder Karusseldrehbänken auftrat.Ich war unter anderem mit Horst Kreeter 2 Jahre auf einer Zelle,ehe er 1964 freigekauft wurde und zu seinen Angehörigen in die BRD kam.1963 zu Kuba- Krise erhielten wir nur das stark zensiert"ND",damit keiner von der krisenhaften Entwicklung zwischen den Großmächten USA-SU etwas erfuhr.In dieser Situation tat sich der Hauptwachtmeister"Grober Gottlieb"hervor,der übrigens mit seiner Bunawurzel wie wir den Gummiknüppel bezeichneten mit Schlägen in die Rippen die ständig blaue Flecken hinterließen.Wörtlich sagte er dann,wenn wir uns unterhielten:"Ihr müßt doch nicht glauben,das wir keine Wand finden an die wir euch stellen,bevor die GI-Helme über die Mauer gucken. In dem Moment war uns klar,daß die Situation zwischen den Russen und Amerikanern eskalierte und wir alle sehr beunruhigt waren.Nachdem mein Freund und Zellengenosse Horst Kreeter 1964 freigekauft wurde und zu seinen Angehörigen in den Westen entlassen wurde hatte ich meine schlimmste Zeit in Torgau.Ich bekam nämlich einen Berufsverbrecher auf die Zelle,der die Aufgabe hatte mich mit politischen Äußerungen zu provozieren und anschließend zu melden.Die Konsequenz war,daß ich im Januar 1965 zum Stationleiter Oberl."Reisschiene"vorgeladen wurde,und er mir wegen angeblicher illegaler Gruppenbildung und Hetze mir eine mehrjährigen Nachschlag androhte.Doch im Juli 1965 wurde ich ebenfalls freigekauft und kam über die U-Haftanstalt der Stasi in Berlin Magdalenenstr.in die Freiheit. Nachtrag:Mein Cousin Lothar Holopp wurde 14-jährig von den Russen 1945 aus Schönebeck abgeholt,weil er angeblich beim Werwolf war.Über die Haftstationen Buchenwald endete sein junges Leben im "Speziallager" der Russen in Torgau. 1950
