18.12.08
Horst Kreeter
Ich war von Juli 1956 bis August 1964 als politischer Häftling in Fort Zinna. Mit Stasi U-Haft fast 9 Jahre. In Torgau kamen wir Politische erst einmal auf die Station 1 (Isolierstation)in strenge Einzelhaft. Zusätzlich eingenähte breite rote Stoffringe um linken Oberarm und rechtem Oberschenkel. Einzellhaft war ich schon gewohnt. Die tägliche "Freistunde" der Station 1 im halbstündlichen Gänserundmarsch mit größerem Abstand untereinander damit wir uns nichts zuflüstern konnten,auch.Im Herbst wurden viele von den Russen Verurteilte entlassen. So kam ich dann schon nach relativ kurzer Zeit von der 1 runter und in den Arbeitseinsatz. Zuerst in ein Mechaniker-Kommando. Wir bauten im Keller Fahrscheindrucker Zählwerke zusammen. Im Januar 1957 dann in ein Lehrkommando für Dreher. Anschließend in das Kommando Meißen. Ein in der Anstalt aufgebauten Betrieb für Kfz.-Ersatzteile Herstellung. Wir hatten 3 Schichtbetrieb und eine Tagschicht dazu. Betriebsleiter, Technologe, Zeitnehmer und Meister der Teilekontrolle waren vergatterte Zivilisten. Alle anderen, wie Meister, Arbeitsvorbereiter, Schichtleiter, Werkzeugmacherei usw. waren Häftlinge. Bezahlt wurde nach Leistungslohn, wobei die Anstalt dreiviertel des Lohns einbehielt. Anfallende Krankenstunden wurden zum Jahresende in Sonderschichten Aufgearbeitet. Urlaub viel sowieso weg, so dass wir praktisch alle Arbeitstage des Jahres voll eingeplant waren. Sozusagen die Sklaven des zwanzigsten Jahrhunderts. Von mir hat die Anstalt in den 7 Jahren ca. 20.000 Mark kassiert."Froschauge", den Heinz Biro erwähnte, war 1956 auf der Station 6 als Polizeimeister Kommandoleiter. Ein Hauptmann Tuschling war damals Leiter der Anstalt. Ich fand diesen Namen später in meiner Strafakte in Frankfurt/Oder. Von den Bewachern gab es keine Klarnamen. Spitznamen, wie Toni (Oberleutnannt und sein Stellverträter) Sarottimohr (Leutnannt Postabteilung)Putenschlund, Elisabet, Küchenheinz und Grobe Gottlieb, sind mir noch in Erinnerung. Den Stasi-Verbindungsoffizier nannten wir T34, weil das seine Raumnummer war. Nachdem ich die hygienischen Zustände in anderen Haftanstalten kennen gelernt hatte, war man in Torgau immer noch gut bedient. Es war fließend kalt Wasser mit Waschbecken und Spültoilette in jeder Zelle. Dazu bekam jeder ein Stück Kernseife, ein Zahnpastestück, das mit nasser Zahnbürste (Holzstiel) gerieben, so etwas wie Zahnputzmittel von sich gab. Das Essgeschirr bestand aus einer Aluminiumschüssel nebst einem Löffel aus dem gleichen Material. Darin bekam man morgens und abend den Malzkaffee und mittags den Schlag Essen. Unsere Jacken und Hosen mußten abends sauber zusammengelegt und übereinander auf ein Hocker gestapelt werden. Zwischen den Päckchen mußten die Löffel gesteckte werden und oben drauf kamen die Schüsseln. Dann wurde dieser Hocker herausgestellt um morgens nach dem Wecken wieder hereingeholt zu werden. Da die Zellen ja immer verschlossen wurden, war das jedes mal ein geräuschvolles Geschließe. Die eigentlich ein Mann Zellen waren für 3 Mann umgebaut, in dem zum Klappbett an der Längstwand der Zelle ein schmales Doppelhochbett unter das Fenster aufgestellt war. Für kurze Zeit waren wir später auch zu viert auf der Zelle. Da wurde eine Art Matratze in die Zelle gelegt die am Tage unter das Klappbett (blieb sowieso immer heruntergeklappt) geschoben wurde. Nach Erzählungen von Mithäftlingen die 1956 schon zum Teil 10 Jahre (von den Russen verurteilt und Tribunale genannt) dort waren, lagen die zeitweilig zu sechs auf der Zelle. Uns, ab 1953 von der DDR verurteilte, nannte man die Artikel sechser.
