02.11.11
Bernd Stichler
Luckau 62
Hallo ehemalige Luckauer, ich war während des Jahres 1962 in Luckau und habe als jemand, der nicht zu den körperlich Stärksten gehört ( dafür aber gesitg besser ausgestattet ) diesen ganzen Druck der internen " Selbsterziehung " ebenfalls durchstehen müssen. Ich war politisch dort. Die Namen oder Spitznamen der " Erzieher " bleiben mir bis ans Lebensende geläufig: Hauptmann Wagner als Anstaltsleiter,Oberleutnant Fiedler als Erziehungsleiter und dann die anderen wie Elvis , Hecht, Atze , Apfelbacke, Kern , Funkturm, Filzhut, Hahn , Oberleutnant Brock , Martens , Specki, Oberwachtmeister Garnitz ( den nannten wir immer " Garnichts " weil er als Oberwachti da drin ein Einzelfall war und nicht standesgenäß für uns ) und natürlich Old Focking , der war beliebt weil er alles ohne Druck machte sondern mit Humor und damit hatte er Erfolg. Ich war auf Station II in der Gruppe BD 1 . Gleich im Nebenhaus wohnte Leutnant Wackernagel und dessen jungendliche Tochter konnte von ihrer Wohnung aus direkt in unsere Toilette schauen , was sie auch oft gemacht hatte. Dann hörten wir immer Wackernagel schimpfen. Mit mir zusammen im gleichen Schlafraum war Addi Wolf von der " Usedomer Rowdybande ". Die Verpflegung war furchtbar. Viele von uns bekamen zuerst irgendwo einen kleinen Pickel, der wurde grösser und entwickelte sich zum eiternden Loch welches auch größer wurde. Der Sani konnte nicht helfen weil dessen Salbe nunmal gegen den gravierenden Vitaminmangel nicht ankam. Auch ich hatte zwei solcher Eiterlöcher in den Beinen, die man heute noch sehen kann, ich bin jetzt 67. Diese Eiterlöcher gingen erst dann weg als ich ein Geburtstagspaket von zu Hause bekam mit Obst , Biomalz und Büchsenmilch. Wir bekamen dort zu Mittag keine ordentlichen Speisekartoffeln sondern Futterkartoffeln die für`s Vieh verwendet werden. Die waren erfroren oder angefault aber wir haben vor Hunger alles gefressen, die Kartoffeln vorher zu schälen wäre pure Verschwendug gewesen. Ich besitze noch Videoaufnahmen der Aussenansicht des Jugendhauses im Originalzustand. Sowas vergißt mann niemals, das verblaßt auch nie in der Erinnerung.
