13.04.10

Marcus Schubert

Bautzen II

Ich muss leider ein wenig Kritik üben. Nach fast 24 Jahren fand ich endlich den Mut nach Bautzen zu kommen. Ich wollte das Gefühl haben in den Knast, in "meine" Zelle zu gehen und wieder raus zu dürfen. Mein Magen wurde bei der Ankunft flau. Ich sah den Barkas (leider anscheinend nur ein Nachbau) mit dem ich von Hohenschönhausen nach Bautzen transportiert wurde, die Schranken deren Öffnung ich bei meiner Einlieferung nur hören konnte und letztendlich der Eingang. Ich kam mir vor wie damals 1985. Wo ich schon mal da bin, wage ich auch den nächsten Schritt. Und es war eine Enttäuschung. Der Besucherraum, den ich so hasste, weil bei jedem Besuch immer 2 Wachlaute dabei gesessen haben, war leer geräumt und sah auch nicht mehr so aus wie damals. Ok dachte ich, schließe ich mich der Führung an, vielleicht erfahre ich warum das alles verändert wurde. Aber ein etwas zurückhaltender und unsicherer Mensch, der vom Alter her eher nicht zu den Insassen gehörte war bemüht Überliefertes und Gelesenes zu vermitteln.Da mich das wenig berührte, ging ich auf eigene Faust nach oben. Dort wo früher die "Wessies" saßen wollte ich hin. Zelle 27, sehen, heulen und wieder gehen dachte ich. Aber nichts. Kein Zugang.Verschlossen. Man kam nur von hinten ran wo man Kino - und Arbeitsraum (nicht Veranstaltungsraum wie im Prospekt beschrieben) sehen konnte. Das Kino so wie früher.Mir wurde wieder flau, sah mich dort in der letzten Reihe sitzen. Der Arbeitsraum...nur noch die Tische da. Und der Durchgang zu den Zellen...wieder verschlossen. Mittlerweile ist mir egal, ob noch Möbel in den Zellen drin sind. Will doch nur in meine Zelle, sehen ob das in der Wand eingeritzte noch existiert.Und dann wieder raus in die Freiheit.Nichts da. Wieder runter zur Führung. Der Mann der die Führung inne hatte, hatte gerade in die Runde gefragt, ob jemand Fragen zum Haus hat. Meine Chance dachte ich. Warum sind die oberen Stockwerke verschlossen, fragte ich. Aber es kam nur lapidar die Antwort: Man hätte Sorge um Souvenirjäger und es würden einige Verdeckungen der Gucklöcher fehlen. Man könnte das nicht überwachen.Also rein organisatorisch. Dazu fiel mir nun nichts mehr ein, machte meinen Eintrag ins Gästebuch, ärgerte mich noch, weil nicht alles wirklich richtig wieder gegeben wurde bei der Führung. Und machte mich auf dem Weg nach Hause. Schade, ich hatte mir was anderes erhofft.

Anmerkung der Redaktion:

Sehr geehrter Herr Schubert,
wir freuen uns über jeden Besuch eines ehemaligen Häftlings. Daher ist es bedauerlich, dass Sie bei Ihrem Besuch enttäuscht waren, nicht alle Bereiche des ehemaligen Hafthauses besichtigen zu können, die Sie interessiert hätten. Tatsächlich darf jeder ehemalige Häftling selbstverständlich in alle Zellen und Bereiche. Wenn der Besuch am Wochenende stattfindet, ist dazu im Vorfeld allerdings ein kurzer Anruf oder eine E-Mail nötig, denn im normalen Besucherbetrieb ist dies vor allem aus konservatorischen, aber auch aus organisatorischen Gründen nicht möglich. Dafür bitten wir um Verständnis.
Dass das Hafthaus heute nicht mehr vollständig im Originalzustand möbliert ist, hängt mit der Beräumung des Gebäudes nach der Schließung als Haftanstalt 1993 zusammen. Damals gab es die Gedenkstätte noch nicht. Der Barkas ist übrigens kein Nachbau. Es ist eines der letzten Modelle, die für Gefangenentransporte produziert wurden und kam nicht mehr zum Einsatz.
Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie mit uns unter cornelia.liebold@stsg.smwk.sachsen.de in Kontakt treten würden, denn wir möchten gern mehr über Ihre Geschichte erfahren. Zudem ließen sich bei einem nächsten Besuch nach Absprache die nichtöffentlichen Bereiche des Hauses besichtigen.
Mit freundlichen Grüßen Ihr Gedenkstättenteam

 

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